Welttag der Philosophie – WerteDialoge im Werksviertel

0Wochen0Tage0Stunden0Minuten0Sekunden

Welttag der Philosophie – WerteDialoge im Werksviertel

Save the Date! Der 21. November ist dieses Jahr der Welttag der Philosophie. Wir folgen dem Aufruf der UNESCO und haben uns für diesen besonderen Tag ein hübsches Programm ausgedacht. Nachmittags philosophieren wir mit Kindern und setzen Gedanken in künstlerische Arbeiten um, wir laden zum Philosophischen SpeedDating für Jung und Alt ein, und wir stellen den Absolventen unserer Akademie die lang ersehnte Datenbank “Der Fragensammler” vor. Aber das ist uns noch nicht genug… denn auf den Tag folgt die Nacht: Deshalb bespielen wir das Gastatelier der Whitebox auch im Rahmen der “Langen Nacht der Philosophie”. Ab 20 Uhr laden wir Euch ein zu einem WerteDialog|Zukunft mit besonderen Gästen.

Der Eintritt ist für alle Programmpunkte frei. Anmeldung ist erforderlich, bitte so schnell wie möglich, da die Teilnehmerzahl raumbedingt begrenzt ist.
Anmeldung unter fortbildungen@philosophische-bildung.de
Termin: 21. November 2019, 15-23 Uhr
Veranstaltungsort: Whitebox/Gastatelier am Ostbahnhof, München

Programmpunkte:

15:30-16:30 Uhr: Kinder philosophieren!
Referentinnen: Aylin von Platen und Petra Reuß

Sind manche Tiere mehr Wert als andere? Was wäre, wenn es keinen Streit gäbe? Was ist Zeit und warum kann man sie stehlen? An diesem Nachmittag gehen wir auf existenzielle Kinderfragen ein und philosophieren gemeinsam in großer Runde zu einem besonderen Thema.

Das Philosophische Gespräch bietet einen geschützten Raum, der frei ist von (Be-)Wertungen. So eröffnet sich die Möglichkeit, neugierig zu sein, sogar vermeintlich Selbstverständliches in Frage zu stellen und eigenständig zu denken. Kommt und lasst Euch ein auf eine spannende Reise Eurer eigenen Gedanken! Ausklingen wird der Workshop kreativ und bunt – lasst Euch überraschen!

17:00-18:15 Uhr: Speed Dating Philosophie
Referentinnen: Dr. Theres Lehn, Aylin von Platen

Was Philosophieren mit Dating zu tun hat? Philosophieren ist sexy – aber gibt Philosophieren auch konkrete Antworten auf entscheidende Fragen unseres (gesellschaftlichen) Zusammenlebens? Mit einem philosophischen SpeedDating steigen wir ein in ein Gespräch über Sinn und Sexiness, über Du und Wir, über Sosein und Anderssein. Wir begeben uns auf die Suche nach charmanten, gewinnenden, zärtlichen Antworten auf die drängenden Fragen jetzt und hier: Wie können wir auf umgrenztem Raum Freiheit leben? Wie können wir freundlich miteinander ringen? Wie werden wir ein Wir und bleiben trotzdem du und ich? Heute schaffen wir das – aber auch in der Zukunft? Wie leben wir zwischen kurzfristigem Commitment und langfristigen Beziehungen? Schließlich weiß man nie, wem man beim Philosophieren in die Arme läuft… Herauszufinden in der Langen Nacht der Philosophie, in lockerer, genussfreudiger Atmosphäre.

Die Veranstaltung findet statt im Rahmen des Wertebündnis Bayern-Projekts „Zukunft im Dialog – Werte für ein neues WIR in der Gesellschaft“; unterstützt aus dem AMIF-Fonds der EU.

18:45-19:30 Uhr: „Fragensammler“ – eine interaktive Datenbank für die philosophische Praxis geht online
Vortrag: Sinan von Stietencron

Endlich ist sie da! „Fragensammler“ – die Datenbank für die philosophische Praxis. In den vergangenen  zehn  Jahren sind im Rahmen der Zertifizierung unserer Fortbildungsteilnehmer*innen viele gute Umsetzungsideen fürs Philosophieren zusammen gekommen, außerdem besteht bei vielen von uns  schon lange der Wunsch nach einem Austausch- und Inspirations-Portal für die Praxis des Philosophierens. Wir wollten eine intuitiv nutzbare, interaktive, clevere Datenbank erfinden, aufgebaut werden konnte sie jetzt mit dem Themenschwerpunkt Wertebildung im Rahmen des Projekts „Werte.Dialog.Integration.“, unterstützt von den Bayerischen Ministerien für Soziales und für Integration sowie vom Wertebündnis Bayern. „Fragensammler“ verführt die User zum Spielen: Einstiege, Fragestellungen, Schlagworte, Themen können zu neuen Ideen für philosophische Einheiten kombiniert werden, erprobte Einheiten (inklusive Material) können einfach heruntergeladen werden. Parallel laden wir alle Nutzer ein, selbst Fragensammler*in zu werden und eigene Erfahrungen auf der Plattform zu teilen. Um die Entstehung und die daran Beteiligten (also auch alle Absolventen, die uns ihre Praxiseinheiten überlassen haben) zu würdigen und zu feiern, möchten wir „Fragensammler“ am Welttag der Philosophie 2019 offiziell online gehen lassen.

Alle Interessierten, Philosophierenden, Fragensammler*innen sind herzlich zur Vorstellung
eingeladen. Werte.Dialog.Integration ist ein Projekt des Wertebündnis Bayern; unterstützt
vom Bayerischen Ministerium des Inneren, für Sport und Integration.

20:00-23:00 Uhr: WerteDialog|Zukunft: Welche Nachhaltigkeit braucht unsere Welt?- Ein philosophischer Abend mit Gästen
Referentinnen: Julia Blum-Linke, Dr. Theres Lehn

Nachhaltig handeln, nachhaltig denken, nachhaltig konsumieren … Füttern wir eine Gebetsmühle? Wann kommen wir ins Handeln, welche Hürden von Schuld und Gewissen müssen wir überwinden? Oder handeln wir schon längst? Wir haben drei Gäste eingeladen, die sich mit uns in den philosophischen Dialog begeben über nachhaltige Erfahrungen und Werte , über Reden und Handeln und darüber, wann Nachhaltigkeit zum Lebensprinzip wird: Uwe Lübbermann (Unternehmer, premium-cola), Robert J. Kozljanic (Philosoph und Verleger, Albunea-Verlag) und Etienne Denk (Fridays for Future, Gruppe München). Über Allem und vor Allem steht die große, einfache Frage: Wie wollen wir leben? Wenn wir unseren Standpunkt kennen, können wir entsprechend handeln. Im Anschluss an das philosophische Nachtgespräch können sich die Teilnehmer*innen in DenkWertStätten mit den Gästen persönlich austauschen und sich gegenseitig Tipps für die Praxis des Lebens geben…

Der WerteDialog|Zukunft ist ein Projekt des Wertebündnis Bayern.

 

Münchner Klimaherbst

Der Münchner Klimaherbst ist schon voll im Gange! Vom 8.10 – 01.11.2019 finden zahlreiche Veranstaltungen rund um das Thema „Verkehrswende“ statt – und wir sind mit dabei!

Viele Menschen bewegen sich tagtäglich in München – aus unterschiedlichsten Beweggründen und mit unterschiedlichen Fortbewegungsmitteln. Vieles funktioniert hier gut, doch vieles könnte auch noch viel besser laufen – und vor allem: klimafreundlicher! Der Münchner Klimaherbst will 2019 mit verschiedensten Veranstaltungsformaten diese Themen und Visionen beleuchten und damit einen gesellschaftlichen Diskurs, der ohnehin bereits in München tagtäglich geführt wird, in Hinblick auf den Klimaschutz verstärken.

Die Akademie möchte euch herzlich im Rahmen des Klimaherbstes zu zwei Veranstaltungen einladen:

 

Philosophisches Gespräch: Autofreie Innenstadt – Münchens Zukunft?

24. Oktober, 14:00–16:00 Uhr, 10€ Eintritt

Hier geht es um Eure Meinung und Eure Erfahrungen! In einem philosophischen Gespräch gehen wir der Frage nach: »Was macht eine lebenswerte Stadt aus? Und welche Rolle spielt Mobilität dabei?«. Das Philosophieren ist eine Gesprächstechnik, bei der im Dialog andere Perspektiven eingenommen und neue Ideen entwickelt werden. Das Gespräch ist ergebnisoffen und lebt von unterschiedlichen Sichtweisen, Gedankenexperimenten, Argumenten und dem wertschätzenden Austausch von Meinungen.

 

Schnupperfortbildung: Philosophische Gespräche moderieren lernen

24. Oktober, 17:00–19:00 Uhr, 10€ Eintritt

»Auto vs. Fahrrad« – ausgehend von der aktuellen Lage werden wir über die Frage »Wie wirkt mein Tun in der Welt?« philosophieren. Philosophieren ist ein Bildungsansatz, der Kinder und Jugendliche dort abholt, wo sie stehen und sie zum Selbstdenken, Weiterdenken und Handeln ermutigt. Der Workshop Junge Vor!Denker zeigt, wie man philosophische Gespräche mit Kindern und Jugendlichen über Nachhaltigkeit und Zukunft moderieren kann. Er richtet sich an Lehrkräfte, ErzieherInnen und Pädagog*innen aus dem Bereich Umweltbildung/BNE.

Anmeldung bis zum 21.10. per Email an akademie@philosophische-bildung.de

Zukunft braucht UNS! – Eine Tagung von SchuleWirtschaft Bayern

Amberg, am 11. und 12. Oktober 2019… “Zukunft braucht UNS!”, unter diesem Motto stand die bayernweite Tagung des Arbeitskreises SchuleWirtschaft, die vergangenes Wochenende in Amberg stattfand. Lehrkräfte, Vertreter*innen der bayrischen Wirtschaft (und Wir) beschäftigten uns mit Fragen rund um die Gestaltung von Bildung und Zukunft. Was kann heute getan werden, um das Morgen nachhaltig zu gestalten? Wie ticken eigentlich die Generationen X, Y und Z? Wir leben in einer Welt, die sich immer schneller und vielfältiger entwickelt – was braucht dabei Generation Z, um gute Entscheidungen für ihren Lebensweg treffen zu können? Muss seitens der Arbeitswelt und der Schule ein Umdenken stattfinden, um den Anforderungen gerecht zu werden?

Auch die Akademie war an beiden Tagen der Tagung vertreten – am Freitag gestalteten wir acht Workshops und philosophierten mit den insgesamt 96 Teilnehmenden über Nachhaltigkeit, Verantwortung und Werte. Am Samstag stellten wir uns mit drei verschiedenen Projekten rund um die Workshop-Themen vor. Aber was hat Philosophieren eigentlich mit der Gestaltung unserer Zukunft zu tun?

Philosophieren bedeutet gemeinsam mit Anderen nach Antworten auf Fragen zu suchen, die jeden gleichermaßen betreffen – es bedeutet im Gespräch Gedanken, Standpunkte und Erfahrungen auszutauschen und neue Zusammenhänge zu entdecken. Dadurch können wir unsere Zukunft reflektierter und bewusster gestalten. Und genau das steht auch in drei unserer laufenden Projekte im Mittelpunkt, welche wir den Besucher*innen vorstellten.

Die Philosophische Berufsorientierung begleitet Jugendliche bei der Berufswahl und fragt z.B. was eine gute Entscheidung ausmacht oder wie man mit Konflikten und Enttäuschungen umgeht.
Im Projekt JungeVor!Denker philosophieren wir mit Kindern und Jugendlichen über Themen von Nachhaltigkeit und widmen uns der Frage, wie wir leben wollen.
Das Projekt “Zukunft im Dialog – Werte für ein neues WIR in der Gesellschaft!” richtet sich an die Aufnahmegesellschaft und hinterfragt, wie diese mit neuen Herausforderungen umgehen kann und wie diese Entwicklungen mit bestehenden Werten in Einklang gebracht werden können.

 

 

Zukunft braucht ein Nachdenken und ein Hinterfragen, braucht Raum für Dialog und Raum um hinzuhören.

Zukunft braucht Philosophieren.

Zukunft braucht UNS!

 

Im Sinne des Lebens – Ein philosophischer Abend

Was macht für dich das Leben sinnvoll?

Jeder Mensch würde diese Frage wohl verschieden beantworten – für den einen geht es im Leben darum, möglichst viel Geld zu verdienen, für einen anderen geht es darum, frei zu sein und für einen dritten Mensch liegt der Sinn des Lebens darin, in einer Gemeinschaft zu leben. Benjamin Andrea hat in seinem Buch “Die Sinne des Lebens” die häufigsten Antworten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf diese Frage gesammelt und die verschiedenen Ansätze und Ideen mit Hilfe von philosophischen Theorien herausgearbeitet. Das Ergebnis ist ein positives, in klarer Sprache geschriebenes Buch darüber, welche Berufe und Lebensweisen geeignet sind, um ein sinnvolles Leben zu führen.

 

Am 24. Oktober kommt der Autor – Benjamin Andrea – zu uns und stellt uns im Rahmen eines philosophischen Abends sein Buch vor. Dabei wird er insbesondere ein Augenmerk auf konkrete Ansätze und Lebensweisen, die geeignet sind, um ein sinnvolles Leben zu führen, legen. Außerdem bietet der Abend auch den Raum und die Möglichkeit, eine persönliche Antwort auf die Frage “Was ist dein Sinn des Lebens?” zu finden.

Benjamin Andrae arbeitet als Unternehmensberater und besitzt ein Diplom in theoretischer Physik. 2014 promovierte er an der Hochschule für Philosophie München im Bereich der analytischen Philosophie des Geistes.

 

 

Dauer: 3 Stunden, von 18 bis 21 Uhr

Information und Anmeldung unter 089/44108 520 oder per Email an Prisca Wunderlich.

Seminargebühr: 35 Euro (inkl. Snacks)

 

Autorin des Beitrags: Diana Schick

Die Top 5 der Scheinargumente

Wenn man das Engagement Jugendlicher lobt, ihnen aber gleichzeitig unterstellt, dass sie “die globalen Zusammenhänge, das technisch Machbare und das ökonomisch Sinnvolle” nicht erkennen können, dann nennt man das in der Philosophie: ein Argument gegen die Person. Kurz gesagt: Du bist jung. Das, was du sagst, zählt nicht.

Einem Argument gegen die Person begegnet man nicht nur, wenn man jung ist: “Das ist jetzt wieder typisch Mann!” – “Du musst das ja sagen, weil du eine Frau bist.” – “Verstehe ich schon, dass du als Franzose/Russe/Türke so denkst, aber…” sind andere typische Beispiele. Ein Argument gegen die Person hat nichts mit der eigentlichen Diskussion zu tun. Und kann gerade deshalb die überzeugendsten Argumente aushebeln. Also aufgepasst! Und die rhetorische Trickkiste hält noch eine ganze Reihe weiterer Kunstgriffe bereit.

Scheinargumente erkennen lernen

Seit 2018 nimmt die Akademie am Projekt openion teil, bei dem Schulen mit außerschulischen Partnern im Bereich Demokratiebildung zusammenarbeiten. Wir sind mit openion am Maria-Theresia-Gymnasium in Augsburg, wo Workshops und philosophische Gespräche stattfinden. Im Juli ging es um Scheinargumente: Welche gibt es? Was unterscheidet ein Scheinargument von einem richtigen Argument? Und wie reagiere ich richtig? Diese Fragen haben wir mit einer 8. Klasse besprochen. In einem anschließenden Streitgespräch zur Frage: “CO2 – Steuer – ja oder nein?” durften die Schüler*innen alle rhetorischen Tricks ausprobieren. Und mussten auf die teils absurden Argumente ihrer “Gegner” reagieren.

Die Top 5 der Scheinargumente:

1. Appell an die allgemeine Erfahrung

Typische Sätze: “Das weiß doch jedes Kind!” – “Also heutzutage weiß man…” – “Alle hier sind doch der Meinung, dass…”. Der Sprecher bestärkt das eigene Argument, indem er so tut, als wäre es nicht hinterfragbar. Denn: Er hat die Allgemeinheit auf seiner Seite. Das muss erstens nicht stimmen (Sind wirklich alle hier der Meinung, dass…?). Zweitens kann auch die allgemeine Meinung falsch sein. Zumindest muss sie nicht absolut gesetzt werden – andere Standpunkte gibt es schließlich (fast) immer.

2. Aufstellung falscher oder unvollständiger Alternativen

“Du findest es übertrieben, Plastikverpackungen abzuschaffen? Deiner Meinung nach sollte wohl jede Traube einzeln verpackt werden!” Wenn man in einer Diskussion das Gefühl hat “So habe ich das doch gar nicht gemeint!” – dann hat man es meistens mit diesem rhetorischen Trick zu tun: Der Aufstellung falscher oder unvollständiger Alternativen. Um meinen eigenen Standpunkt zu stärken, unterstelle ich dem anderen eine extreme Meinung. Und die wird er vermutlich ablehnen. Ich tue dabei so, als gäbe es eben nur diese zwei Alternativen: Plastik ganz abschaffen oder alles verpacken. Bekannt im Bereich der Alternativlosigkeit ist auch dieses Argument: Der Kommunismus ist gescheitert. Der Kapitalismus ist also die beste Wirtschaftsform. Unter diese Schwarz-Weiß-Logik fallen übrigens auch Entweder-oder-Konstruktionen, die besonders bei Eltern beliebt sind.

3. Verweis auf das eigene Nichtwissen

Der Klassiker: “Davon habe ich ja noch nie was gehört!”. Und deswegen muss es falsch sein? Hier erhebt sich der Sprecher selbst zur Autorität. In einer Diskussion geht man am besten gar nicht auf diesen Einwand ein. Sondern liefert sachliche Beweise.

4. Appell an die Emotion

Dieses Scheinargument ist besonders trickreich und taucht in vielen Varianten auf. Angst, Ekel, Neid, Hass, Mitleid… Alle Emotionen, die den anderen auf die eigene Seite ziehen sollen, können hier bespielt werden. “Du hast doch auch Angst, dass deiner Tochter etwas passiert! Deswegen müssen wir…”. “Die hat doch eh immer gute Noten. Und jetzt sollen wir bei ihrer Lerngruppe mitmachen!” Oder man spielt die Mitleidskarte aus: “Immer seid ihr gegen mich.”

5. Das Totschlagargument

Das bekannteste unter den Scheinargumenten. Es lässt den anderen meist ratlos zurück: “Das haben wir schon immer so gemacht.” – “Wir machen das jetzt so, weil ich das sage.” – “Das ist nun mal so.” Der Umgang mit Totschlagargumenten ist schwierig. Schließlich bringt es zum Ausdruck, dass der andere eine Diskussion ablehnt. Hier kann man versuchen, auf die Metaebene zu gehen. Oder man bricht die Diskussion erst einmal ab, bis sich die Emotionen abgekühlt haben.

Wer mehr über Scheinargumente lernen möchte: In “Die Kunst, Recht zu behalten” erklärt Arthur Schopenhauer 32 rhetorische Kunstgriffe.

 

Autorin des Beitrags: Diana Schick

Was an Ihrer Arbeit erfüllt Sie mit Sinn?

Berufsorientierung. Das sah bei mir so aus: Ich habe einen Test im Arbeitsamt ausgefüllt und hinterher eine Liste mit möglichen Berufen ausgespuckt bekommen. Dass Berufsorientierung im Grunde genommen Lebensorientierung ist, das kam nie zur Sprache.

Bei der “Ausbildungstour” des Landratsamtes München, die in Kooperation mit der IHK durchgeführt wurde, stand aber genau dieses Thema im Vordergrund. Auf der Agenda: Große Fragen des Lebens. Wer bin ich? Wer möchte ich sein? Wie finde ich einen Beruf, der zu mir passt? Was macht eine gute Entscheidung aus? Unsere Kollegin Dr. Theres Lehn und Referentinnen der Akademie philosophierten mit den 30 Schülerinnen und Schülern im Vorfeld über diese Fragen. Erst danach ging die Bustour los.

Die Stationen: Der Isarland Biohandel, der Brauereigasthof Ayingen, Develey, die NH Hotels, die Auto Schmid GmbH und die Fritzmeier Group. Sie alle öffneten ihre Türen und standen für Gespräche zur Verfügung. Auch die Fragen an die Mitarbeiter wurden in den philosophischen Workshops vorbereitet. Und so ging es nicht nur darum, welche Ausbildungsplätze angeboten werden. Die Jugendlichen wollten auch wissen: Was an Ihrer Arbeit erfüllt Sie mit Sinn? Zweifeln Sie manchmal an Ihrer beruflichen Entscheidung? Was ist Erfolg für Sie? Philosophiert wurde dann auch noch, ganz gemütlich im Gasthof. Was zeichnet einen guten Vorgesetzten aus? Und was einen guten Mitarbeiter? Ganz oben auf der Liste: Offenheit, Zuverlässigkeit, Hilfsbereitschaft.

 

Zum Abschluss konnten die Schülerinnen und Schüler ihre Eindrücke kreativ umsetzen. Christine Auerbach vom Bayerischen Rundfunk und Marek Bartos, IT Entwickler und Referent der Akademie, arbeiteten mit ihnen an Texten über ihre Zukunft. Getextet wurde spontan, schnell und witzig: Wo ist dein Nachbar in 10 Jahren? Wie sieht die Zukunft eines Gegenstandes aus dem Rucksack deines Nachbarn aus? Erzählt wurde aus der Ich-Perspektive: Von Alleinerziehenden, Multimillionären, Plastikflaschen, die im Ozean schwimmen und Himbeeren – die 1,2,3 weg sind. Anschließend ging es dann um die eigene Zukunft. Auf dem Mars. Die Verfremdung half, die Sicht auf die eigene Zukunft nochmal neu zu denken. Ziel der Übung: Einen philosophischen Text über das eigene Leben und den Beruf zu schreiben. Diesen vortragsreif auszuformulieren, dazu reichte die Zeit nicht. Aber ein Anfang ist getan und der Anreiz ist da, die Texte fertig zu kriegen. Am 28. März sollen die drei besten Beiträge auf der ersten regionalen Ausbildungsmesse im Landkreis München in Form eines “Philosophy – Slams” vorgestellt und prämiert werden.

Berufsorientierung ist Lebensorientierung. Wenn ihr wissen wollt, wie so ein “Slam-Text” über das Leben und die Zukunft aussehen kann: der Text “One Day” von Julia Engelmann aus dem Jahr 2013 ist immer noch eine Inspiration. Und welche Geschichten werdet ihr euch erzählen?

 

Beitragsbilder: IHK München und Oberbayern

 

Autorin des Beitrags: Diana Schick

 

Pop-up-Philosophie: Das FiloSofa stellt sich vor

Das war mein Traum: Auf einem Sofa sitzen und mit Menschen, groß und klein, zu philosophieren. Was ist daraus geworden? FiloSofa. Im Sommer 2018, nachdem ich bereits die ersten Module an der Akademie besucht hatte, kaufte ich mir ein gebrauchtes Sofa und legte los.

Bisher stand es im Grünbereich eines Jugendzentrums und auf dem Marienplatz in Freising. Weil das Sofa doch ganz schön groß und schwer ist, und nur 3-4 Menschen gleichzeitig darauf Platz nehmen können, gibt es seit dem Herbst 2018 auch noch die Puppensofa-Variante. Die kann überall hin mitgenommen werden und auf ihr hat sogar ein Denkzwerg Platz genommen, der gerade den Kleineren beim Denken helfen kann. Dieses kleine FiloSofa stand in Freising nun schon im Alten Gefängnis, in der Stadtbibliothek und in einem Kindergarten. Ab und zu ist es auch in der Fachakademie für Sozialpädagogik in Freising dabei, wo ich den angehenden Erzieher*innen in einem Wahlfach das Philosophieren mit Kindern näher bringe.

Es ist schön zu sehen, mit welcher Begeisterung gerade die Kinder sich zu den Themen Glück, Freundschaft, Natur sowie Wahrnehmung und Wirklichkeit äußern. Moment mal, philosophieren wir über Wahrnehmung und Wirklichkeit mit Kindern? Ja! Das Buch „Alle sehen eine Katze“ ist ein grandioser Einstieg, um z.B. darüber zu sprechen, ob es „die eine Welt“, „die eine Katze“ gibt oder ob jeder seine eigene Version hat…. Und wovon es abhängt, wie wir die Dinge sehen – eine Maus hat vielleicht ein anderes Bild von einer Katze als ein Hund. Ganz nebenbei lernen die Kinder auch noch, dass Regenwürmer nicht sehen, sondern Bewegungen wahrnehmen können oder wie Bienenaugen gestaltet sind. In unserem Fall entstand dann auch noch ein Gespräch darüber, was eine Katze zur Katze macht. „Alle sehen eine Katze“ – eine absolute Empfehlung!

 

Lediglich beim Thema Zeit erlebte ich zusammen mit meiner Gruppe von Studierenden der Fachakademie einen zurückhaltenderen Nachmittag. Ist das Thema also schlecht geeignet? Keinesfalls. Aber die Kombination aus eher ruhigen, jüngeren Kindern, die sich noch nicht kennen, anwesenden Erwachsenen und keine Vorerfahrung im Philosophieren waren Stolpersteine. Interessanterweise fanden die Kinder den Nachmittag trotzdem sehr schön, vielleicht auch, weil sie wirklich einfach in Ruhe ihren Gedanken nachhängen konnten. Beim Ausmalen von Sanduhren konnten sie auch nochmal deutlich sehen, was Vergangenheit ist und was Zukunft.

Pop-up-Philosophie – so nenne ich das, wenn ich irgendwo hingehe zum Philosophieren – birgt gerade mit Erwachsenen das Risiko, dass mehr diskutiert wird, die Offenheit verloren geht und die eigenen Erfahrungen eine sehr dominante Rolle spielen. Und ich merke, dass viele es ungewöhnlich finden, dass es kein Richtig oder Falsch gibt, dass man tatsächlich seinen ganz eigenen, vielleicht sogar nur vorläufigen Standpunkt finden darf.

Andererseits macht es mich glücklich, wenn sich so viele Kinder auf das Sofa setzen, dass ich am Boden davor Platz nehmen muss und sie sogar ihre eigenen Themen mitbringen. Wenn sie sich bedanken, dass sie endlich Zeit und Raum für „richtige“ Gespräche haben. Wenn sie mich fragen, wann ich wieder komme. Und auch, wenn sie mit Fragezeichen in den Augen nach Hause gehen, weil sie sich doch nicht 100% sicher sind, ob das jetzt immer dieselbe Katze war oder nicht? Und wo die Zeit genau hingeht, wenn sie vorbei ist? Und wem die Welt nun wirklich gehört? Und was es für sie bedeutet, glücklich zu sein. Oder eine Freundin. Oder mutig.

Was wünsche ich mir für die Zukunft? Viele FiloSofas auf der ganzen Welt, wo
sich alle Menschen treffen können, um in Frieden über die großen und kleinen Fragen philosophieren zu können.

Ein Gastbeitrag unserer ehemaligen Teilnehmerin Katharina Maas. Infos und Kontakt auf www.filosofa.de

Wir waren im Schwarzwald…

… an unserer Modellschule. “Würden Sie eine Maschine betreten, die ewiges Glück verspricht?” war eine der Fragen, mit denen sich das Kollegium der Grundschule Schuttertal auseinandersetzte. Neben unterschiedlichen Gedankenexperimenten ging es vor allem um die Frage, wie man eine Sache genau, systematisch und von verschiedensten Seiten durchdenkt, um für sich selbst eine belastbare Antwort zu finden. Gedankenexperimente sind dabei eine Hilfestellung, um an den Kern einer Sache zu kommen. Vor allem aber auch ganz einfache Fragen wie “Warum?”, “Wie genau?” und “Gilt das immer? Für jeden?” erwiesen sich für die Teilnehmerinnen als besonders hilfreich.

 

Der andere Schwerpunkt der Fortbildung drehte sich, wie immer im dritten Modul der Zusatzausbildung, um das Thema Philosophie und Wissenschaft. Besonders spannend war ein Gespräch über die Entstehung der Erde. Marion Wenglein, die dieses Thema gerade mit ihren Schülern behandelt, erzählt als Einstieg die Geschichte vom Außerirdischen Paxi, der mit seinem Raumschiff auf die Erde fliegt und Tiere, Bäume, Flüsse und Meere bestaunt. Dann geht es per Knopfdruck zurück in die Zeit, als die Erde gerade entstanden ist. “Was kann man da wohl sehen? Wie sieht die Erde aus?”, fragt Marion und bittet uns, ein Bild davon zu zeichnen. Dunkle Wolken, Säureseen, Vulkane, Feuer, manchmal auch Wasser sind auf den Bildern zu erkennen. Und wir stellen uns die Frage: “Wie kann es sein, dass auch Steinen, Feuer, Wasser Leben entstanden ist?” Viele unserer Theorien zu Bewegung und Wärme, Wandelbarkeit von Materie, aber auch zu Seele und Geist mögen sich als falsch erweisen. Manche aber vielleicht auch nicht. In jedem Fall sind wir neugierig geworden, was die Wissenschaft zu diesem Thema zu sagen hat und ob es vielleicht nicht doch noch etwas gibt, was darüber hinaus geht.

 

Ende März wird die Fortbildungsreihe abgeschlossen. Dann werden wir gemeinsam mit dem Kollegium Möglichkeiten entwickeln, das Philosophieren als Unterrichtsprinzip zu nutzen. Bis Ende des Jahres sollen die Ideen und Konzepte dann erprobt und anschließend evaluiert werden.

Das Projekt wird in Kooperation mit der Karl Schlecht Stiftung durchgeführt. Wer mehr darüber wissen will, kann mir gerne schreiben unter diana.schick@kinder-philosophieren.de.

 

Autorin des Beitrags: Diana Schick