Was verbindet uns?

Philosophieren in der OGTS

von Ella Stohrer

Im Mittelpunkt stand das Buch „Alle Menschen“ von Elise Gravel (Carl Hanser Verlag), das die Kinder abwechselnd vorgelesen haben. Das Buch beschäftigt sich mit einer wichtigen Frage: Was verbindet uns Menschen eigentlich?

Gemeinsam stellten wir fest, dass wir uns in vielen Dingen ähneln. Obwohl jeder Mensch unterschiedlich ist und unterschiedliche Dinge tut, fühlen wir doch oft ganz ähnlich. Gefühle wie Freude, Traurigkeit, Wut oder Dankbarkeit kennen wir alle. Genau das verbindet uns besonders stark. 

Manchmal schämen wir uns, fühlen uns unsicher oder nicht mutig genug. Auch diese Momente kennen viele von uns. Gerade darin zeigt sich, wie sehr wir Menschen miteinander verbunden sind.

Im Gespräch fragten wir die Kinder:
Welche Gefühle kommen im Buch vor? Was verbindet euch noch miteinander?

Die Kinder nannten viele spannende Gedanken: Unser Körper ist ähnlich aufgebaut, Gefühle kennen wir alle – auch wenn wir sie nicht immer gleichzeitig oder auf die gleiche Weise erleben. Manchmal fühlen wir ähnlich, weil wir Gemeinsamkeiten haben, manchmal ganz unterschiedlich. Dabei entstand ein schöner Gedanke: Wir Menschen sind wie Spiegel füreinander. So wie wir miteinander umgehen, kommt es oft auch zu uns zurück.

Ein weiteres wichtiges Thema war das Setzen von Grenzen. Ein Kind sagte:
„Mir ist wichtig, dass jemand akzeptiert, wenn ich Nein sage.“

Darüber kamen wir ins Gespräch darüber, wie wichtig es ist, miteinander zu reden und die Grenzen anderer Menschen zu respektieren. Die Kinder verstanden schnell: Jeder Mensch hat eigene Grenzen, und diese verdienen Verständnis und Achtung.

Besonders lebendig wurde es bei unserem Gefühlespiel. Die Kinder zogen Gefühlskarten, erklärten ihre Gefühle und malten passende Bilder dazu an die Tafel. Die anderen Kinder durften raten, um welches Gefühl es sich handelt. Anschließend bekamen die Kinder eine kleine „Hausaufgabe“: Sie sollten im Alltag darauf achten, wo ihnen dieses Gefühl begegnet – bei sich selbst oder bei anderen Menschen.

Mit großer Begeisterung machten alle mit. Jedes Kind wollte sein Gefühl vorstellen, malen und vorlesen. Niemand wollte ausgeschlossen werden – alle wollten Teil der Gemeinschaft sein. Die Gruppe war aufmerksam, offen und voller Freude dabei.

Am Ende kamen wir gemeinsam zu einem schönen Ergebnis:
Es sind unsere Gefühle, die uns als Menschen verbinden und uns stark machen.

Auch in der zweiten Gruppe entstanden berührende Gespräche. Max las einen Teil des Buches besonders toll vor. Danach sprachen wir darüber, was Gefühle mit uns machen.

Ein Kind sagte:
„Gefühle helfen mir.“

Ein anderes meinte:
„Mir helfen sie nicht.“

Daraufhin fragten wir gemeinsam:
„Welches Gefühl hilft dir denn nicht?“

Die Antwort lautete:
„Wenn ich wütend bin. Dann bekomme ich Ärger.“

Gemeinsam überlegten wir weiter:
Wann entsteht Wut eigentlich?

Die Kinder erkannten schnell:
Wut entsteht oft dann, wenn etwas ungerecht ist.

So entstand ein wichtiger Gedanke: Wut ist nicht einfach schlecht. Sie kann uns zeigen, dass etwas unfair ist. Problematisch wird sie erst dann, wenn wir anderen damit wehtun. Deshalb sammelten die Kinder Ideen, wie man Wut ausdrücken kann, ohne jemanden zu verletzen.

Ein Vorschlag lautete:
„Indem wir gemeinsam etwas gegen die Ungerechtigkeit tun.“

Dieser Gedanke war besonders berührend und zeigte, wie einfühlsam und klug Kinder über Gefühle und Zusammenleben nachdenken können.

Das gemeinsame Philosophieren war wieder eine wertvolle Erfahrung – voller Offenheit, ehrlicher Gedanken und echter Begegnungen.

 

Ein Mädchen malt mit Kreide etwas an eine Tafel.

Ein Junge mal mit Kreide ein Tier auf die Tafel im Klassenzimmer.

An der Tafel sind Kinderzeichnungen zu "Wut" und "Entschuldigung"

Was macht mich einzigartig?

Philosophieren in der OGTS

In der OGTS haben wir erneut gemeinsam mit Silvija philosophiert.

Dieses Mal drehte sich alles um das spannende Thema „Ich bin einzigartig“. In beiden Gruppen schauten die Kinder aufmerksam ein passendes Video an und waren von Anfang an interessiert und begeistert dabei.

Im anschließenden Gespräch fassten die Kinder zusammen, was sie gesehen hatten. Schnell wurde deutlich, dass es um die Einzigartigkeit jedes Menschen ging. Aussagen wie „Jeder kann etwas besonders gut“ oder „Jeder ist auf seine Weise unersetzbar“ wurden von den Kindern selbst eingebracht. Gemeinsam überlegten wir außerdem, welche besonderen Eigenschaften andere Kinder haben und was jeden Einzelnen ausmacht.

Besonders schön war unsere Gesprächsrunde mit der Gesprächsmaus: Jedes Kind durfte zu jedem anderen Kind etwas Positives sagen. Die Kinder hörten aufmerksam zu, machten engagiert mit und es war ihnen wichtig, dass wirklich jeder etwas Wertschätzendes über sich hören durfte. Obwohl die Runde viel Zeit in Anspruch nahm, wollten die Kinder sie unbedingt so durchführen. Man merkte deutlich, wie gut ihnen diese Form des Austauschs tat.

Die Kinder genießen es sehr, über ihre eigenen Stärken zu sprechen und gleichzeitig zu hören, was andere an ihnen schätzen. Diese Gespräche kommen bei ihnen sehr gut an und viele Gedanken nehmen sie mit nach Hause.

Besonders berührend waren Aussagen wie:
„Meine Frisur macht mich einzigartig.“
„Mein Fingerabdruck ist nur meiner.“
„Meine Familie gehört nur zu mir.“
„Mich gibt es nur einmal.“
Oder auch: „Besonders ist, dass ich so bin, wie ich bin.“

Zum Abschluss malten die Kinder Bilder von sich selbst und davon, wie sie sich sehen. Dabei hatten sie viel Freude und konnten ihre Gedanken kreativ ausdrücken.

Kinder sitzen auf dem Boden mit Stiften und Papier und malen.

Theaterstück in der OGTS Emmering

Ein aufregender Abschluss voller Fragen, Mut und Applaus

Am 21. April 2026 war es endlich so weit: Unsere Abschlussfeier im Rahmen des Projekts ChancenGleich fand in der OGTS Emmering statt – und dieser Tag war für uns alle etwas ganz Besonderes!

In den vergangenen Monaten haben wir gemeinsam mit den Kindern der Himbeer-Gruppe philosophiert, diskutiert, gelacht und nachgedacht. Dabei beschäftigten uns viele spannende Fragen:

  • Was ist ein guter Freund?
  • Wie wirken Worte auf uns?
  • Wie fühlt es sich an, Freude zu teilen?
  • Haben Tiere Rechte?
  • Warum feiern wir Feste?

Mit großer Neugier gingen die Kinder diesen Fragen auf den Grund. Gemeinsam lasen wir Geschichten, tauschten Meinungen aus und hörten einander aufmerksam zu. Besonders begeistert hat uns das Bilderbuch „Ich bin der Stärkste im ganzen Land“ von Mario Ramos (Beltz Verlag).

Darin zieht ein selbstbewusster Wolf durch den Wald und fragt alle Tiere und Märchenwesen, denen er begegnet:

„Wer ist der Stärkste im ganzen Land?“

Und tatsächlich antworten ihm fast alle volle Angst oder Respekt:

„Ihr seid der Stärkste im ganzen Land, Herr Wolf!“

Doch dann begegnet der Wolf dem kleinen Kröterich – und plötzlich wird alles anders …

Gemeinsam mit den Kindern stellten wir uns viele spannende Fragen: Ist der Wolf wirklich stark? Bedeutet Stärke, dass andere Angst vor einem haben? Warum sagen die Tiere, dass der Wolf der Stärkste ist? Wollen sie ihm gefallen – oder fürchten sie sich vor ihm? Und was bedeutet „wahre Stärke“ eigentlich?

Diese Gespräche waren unglaublich spannend und berührend. Die Kinder hatten viele verschiedene Gedanken – und genau daraus entstand schließlich eine wunderbare Idee: Warum nicht ein Theaterstück daraus machen?

Gesagt, getan!

Nach unseren gemeinsamen Philosophieeinheiten im Januar und Februar beschlossen wir, das Märchen als Theaterstück einzuüben und in der OGTS aufzuführen. Die Vorbereitungen begannen – und die Aufregung stieg von Woche zu Woche! Die Kinder lernten fleißig ihre Rollen auswendig. Besonders die Rolle des Wolfs hatte es in sich: ganz schön viel Text! Aber mit Mut, Teamgeist und viel Übung haben die Kinder es großartig gemeistert.

Ein riesiges Dankeschön geht auch an Anja, die uns tatkräftig unterstützt hat. Sie hat uns geholfen, wunderschöne Masken zu basteln und sie hat sogar die Mützchen für die sieben Zwerge genäht. Mit viel Kreativität und Herz entstand so eine zauberhafte Theaterwelt.

Dann kam endlich der große Moment: die Aufführung!

Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie einige Lehrkräfte waren gekommen, um das Theaterstück anzuschauen. Die Kinder waren natürlich sehr aufgeregt – doch sobald das Stück begann, spielten sie mit voller Begeisterung und ganz viel Mut.

Und am Ende?

Großer, verdienter Applaus für alle! Zum Abschluss wurden die Teilnahmebestätigungen überreicht und gemeinsam Muffins gegessen. Es gab viele stolze Gesichter und sogar Glückstränen.Dieser Tag hat uns wieder gezeigt, wie wichtig es ist, Kindern Raum zum Nachdenken, Fragenstellen und gemeinsamen Gestalten zu geben.

Und jetzt seid ihr dran:

Was bedeutet „wahre Stärke“ für euch?

Liebe Grüße

Eure Ella

Jonglieren mit Fragen

Vertiefung nach der Basisausbildung

„Philosophy is a way of thinking about certain subjects such as ethics, thought, existence, time, meaning and value. … The aim is to deepen understanding. The hope is that by doing philosophy we learn to think better, to act more wisely, and thereby help to improve the quality of all our lives.“ The Philosophy Foundation

„To deepen understanding.“ Also das Verstehen zu vertiefen. Genau das ist im Seminar „Jonglieren mit Fragen“ passiert. Theres und Daniel haben uns entführt in eine Tiefsee des Denkens. Wie geht Philosophieren? Was sind gute Fragen, also Fragen, die dahin führen, wo ich etwas Neues lernen oder zutage fördern kann? 

The Philosophy Foundation beschreibt Philosophieren mit 4 Worten: responsiveness, reflection, reason und re-evaluation. Dabei liegt der Fokus im Denken eher auf der Frage „Ergibt es Sinn?“ als auf der Frage „Ist es wahr?“. Erstere zielt auf die Logik und Bedeutung, letztere eher auf die Fakten. Eine gute Frage, so die Foundation, berührt immer eine philosophische Disziplin wie die Metaphysik oder Erkenntnistheorie, und sie darf grundsätzlich den Zustand der Aporie, also der gesunden Verwirrung ermöglichen…

Der Einblick in den Ansatz der Londoner Kollegen und Kolleginnen ist hilfreich und unbedingt notwendig als ein Blick über den Tellerrand. Es gibt bezeichnende Unterschiede zur Akademie, die inspirierend sind, und auch Gemeinsamkeiten. Mit Sicherheit ist die Atmosphäre bei der Foundation britischer und kühler als im barocken Süden, wo, am Donnerstag, viel gelacht und gewärmt wurde. Aber die Intention ist die gleiche: das Denken aufschließen, besser verstehen, weiser handeln lernen und helfen, das Leben zu verbessern.

Spannend auch der Blick zum Landsmann Ekkehard Martens, der Philosophieren als erlernbare Kulturtechnik bezeichnet. Um mit Kindern zu philosophieren bzw. Kinder zum Philosophieren anzuregen, sollten im Gespräch fünf zentrale philosophische Disziplinen geübt werden: Phänomenologie, Analytik, Hermeneutik, Dialektik und Spekulation können dazu beitragen, das kritische und kreative Denken schon bei Kindern zu fördern. Sie werden, das dürfte euch bekannt vorkommen, durch bestimmte Fragestellungen erschlossen.

Wir würden übrigens noch die Ethik ergänzen, denn gerade für Jugendliche sind ethische Fragestellungen spannend und mit Fragen, Themen, Situationen aus ihrer Lebensrealität, dem Selbst- und Fremdbild verknüpft. Zudem lässt sich die Ethik gut aus den Perspektiven der fünf anderen Disziplinen reflektieren.

Neben der Funktion, philosophische Tätigkeiten zu provozieren, haben Fragen in Interview-Situationen andere Aufgaben, z.B. dem Strom des Erzählenden zu folgen und einzelne Stationen genau zu beleuchten (Was genau? Was dann?); verschiedene Reaktionsmöglichkeiten auf eine Situation zu ergründen (Was wäre wenn?); Gefühle, Gedanken, Erfahrungen einer Person zu erforschen (Wo fühlst du? Wann hast du erlebt?) usf.. Spannend war es, die Verknüpfung zu denken zwischen Interviewtechniken (angeregt durch die Bücher von Carmen Kindl-Beifuß) und dem vertiefenden Nachfragen beim Philosophieren. „Warum-Fragen verflüssigen“ ist auf jeden Fall bei vielen hängen geblieben. Anstatt „Warum hast du das getan?“ etwas neugieriger zu fragen: „Warum erschien dir in der Situation gerade das als der richtige Schritt?“

Fragen können wie Küsse schmecken. Und Philosophieren wie ein Abenteuer. Danke an alle! 

Unser Seminar “Jonglieren mit Fragen“ ist Pflichtseminar für alle Referent*innen der Akademie und richtet sich an alle Absolvent*innen der Basisausbildung.

Die neuen Aufbaumodule der Akademie

Weiterbildungen für Absolvent*innen der Zusatzausbildung

„Vertiefendes Weiterfragen“ am 27. und 28. Oktober 2028

Das Aufbaumodul „Vertiefendes Weiterfragen richtet sich an diejenigen, die das Gespräch mit Techniken des Weiterfragens in die Tiefe führen möchten. Diese werden nicht nur gemeinsam erarbeitet, im Mittelpunkt steht vor allem die Anwendung dieser Techniken. So erhältst Du Sicherheit bezüglich der Frage: An welcher Stelle kann ich wie vertiefend nachfragen?
Außerdem beleuchten wir Klassiker*innen unter den philosophischen Methoden bezüglich verschiedener Themen wie Identität, Glück, Wahrheit.

„Wie denken Philosophen“ am 11. und 12. Dezember 2018

Kann ich mir wirklich sicher sein, dass sich in diesem Raum kein Nashorn befindet, nur weil ich keines sehe?
Das Aufbaumodul „Wie denken Philosophen“ behandelt verschiedene klassische Texte der Philosophie, die sich bestimmter Methoden bedienen:
Was hat es mit Wittgensteins Nashorn auf sich? Wie sucht Heidegger, wie Platon nach dem Wesen der Dinge – und was können wir daraus für unsere eigene Moderation lernen? Was bedeutet “Hinterfragen” am Beispiel des Descartes’schen Zweifels?
Mit einigen Denkarten werden wir uns anhand der Originaltexte näher beschäftigen. Andere werden wir vorstellen, um die grundlegende Methodik und ihre Anwendungsmöglichkeiten im philosophischen Gespräch zu besprechen. Dabei spielen auch ganz konkrete Beispiele des philosophischen Denkens und Hinterfragens eine Rolle. Diese können im philosophischen Gespräch ebenfalls Anwendung finden.

Teilnahmevoraussetzung: Zusatzausbildung der Akademie oder mehrjährige Praxiserfahrung im Philosophieren mit Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen

Kosten: 210 Euro

Veranstaltungsort: Akademie in München

Information und Anmeldung:  Diana Schick