Jonglieren mit Fragen

Vertiefung nach der Basisausbildung

„Philosophy is a way of thinking about certain subjects such as ethics, thought, existence, time, meaning and value. … The aim is to deepen understanding. The hope is that by doing philosophy we learn to think better, to act more wisely, and thereby help to improve the quality of all our lives.“ The Philosophy Foundation

„To deepen understanding.“ Also das Verstehen zu vertiefen. Genau das ist im Seminar „Jonglieren mit Fragen“ passiert. Theres und Daniel haben uns entführt in eine Tiefsee des Denkens. Wie geht Philosophieren? Was sind gute Fragen, also Fragen, die dahin führen, wo ich etwas Neues lernen oder zutage fördern kann? 

The Philosophy Foundation beschreibt Philosophieren mit 4 Worten: responsiveness, reflection, reason und re-evaluation. Dabei liegt der Fokus im Denken eher auf der Frage „Ergibt es Sinn?“ als auf der Frage „Ist es wahr?“. Erstere zielt auf die Logik und Bedeutung, letztere eher auf die Fakten. Eine gute Frage, so die Foundation, berührt immer eine philosophische Disziplin wie die Metaphysik oder Erkenntnistheorie, und sie darf grundsätzlich den Zustand der Aporie, also der gesunden Verwirrung ermöglichen…

Der Einblick in den Ansatz der Londoner Kollegen und Kolleginnen ist hilfreich und unbedingt notwendig als ein Blick über den Tellerrand. Es gibt bezeichnende Unterschiede zur Akademie, die inspirierend sind, und auch Gemeinsamkeiten. Mit Sicherheit ist die Atmosphäre bei der Foundation britischer und kühler als im barocken Süden, wo, am Donnerstag, viel gelacht und gewärmt wurde. Aber die Intention ist die gleiche: das Denken aufschließen, besser verstehen, weiser handeln lernen und helfen, das Leben zu verbessern.

Spannend auch der Blick zum Landsmann Ekkehard Martens, der Philosophieren als erlernbare Kulturtechnik bezeichnet. Um mit Kindern zu philosophieren bzw. Kinder zum Philosophieren anzuregen, sollten im Gespräch fünf zentrale philosophische Disziplinen geübt werden: Phänomenologie, Analytik, Hermeneutik, Dialektik und Spekulation können dazu beitragen, das kritische und kreative Denken schon bei Kindern zu fördern. Sie werden, das dürfte euch bekannt vorkommen, durch bestimmte Fragestellungen erschlossen.

Wir würden übrigens noch die Ethik ergänzen, denn gerade für Jugendliche sind ethische Fragestellungen spannend und mit Fragen, Themen, Situationen aus ihrer Lebensrealität, dem Selbst- und Fremdbild verknüpft. Zudem lässt sich die Ethik gut aus den Perspektiven der fünf anderen Disziplinen reflektieren.

Neben der Funktion, philosophische Tätigkeiten zu provozieren, haben Fragen in Interview-Situationen andere Aufgaben, z.B. dem Strom des Erzählenden zu folgen und einzelne Stationen genau zu beleuchten (Was genau? Was dann?); verschiedene Reaktionsmöglichkeiten auf eine Situation zu ergründen (Was wäre wenn?); Gefühle, Gedanken, Erfahrungen einer Person zu erforschen (Wo fühlst du? Wann hast du erlebt?) usf.. Spannend war es, die Verknüpfung zu denken zwischen Interviewtechniken (angeregt durch die Bücher von Carmen Kindl-Beifuß) und dem vertiefenden Nachfragen beim Philosophieren. „Warum-Fragen verflüssigen“ ist auf jeden Fall bei vielen hängen geblieben. Anstatt „Warum hast du das getan?“ etwas neugieriger zu fragen: „Warum erschien dir in der Situation gerade das als der richtige Schritt?“

Fragen können wie Küsse schmecken. Und Philosophieren wie ein Abenteuer. Danke an alle! 

Unser Seminar “Jonglieren mit Fragen“ ist Pflichtseminar für alle Referent*innen der Akademie und richtet sich an alle Absolvent*innen der Basisausbildung.

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