Zukunft braucht UNS! – Eine Tagung von SchuleWirtschaft Bayern

Amberg, am 11. und 12. Oktober 2019… „Zukunft braucht UNS!“, unter diesem Motto stand die bayernweite Tagung des Arbeitskreises SchuleWirtschaft, die vergangenes Wochenende in Amberg stattfand. Lehrkräfte, Vertreter*innen der bayrischen Wirtschaft (und Wir) beschäftigten uns mit Fragen rund um die Gestaltung von Bildung und Zukunft. Was kann heute getan werden, um das Morgen nachhaltig zu gestalten? Wie ticken eigentlich die Generationen X, Y und Z? Wir leben in einer Welt, die sich immer schneller und vielfältiger entwickelt – was braucht dabei Generation Z, um gute Entscheidungen für ihren Lebensweg treffen zu können? Muss seitens der Arbeitswelt und der Schule ein Umdenken stattfinden, um den Anforderungen gerecht zu werden?

Auch die Akademie war an beiden Tagen der Tagung vertreten – am Freitag gestalteten wir acht Workshops und philosophierten mit den insgesamt 96 Teilnehmenden über Nachhaltigkeit, Verantwortung und Werte. Am Samstag stellten wir uns mit drei verschiedenen Projekten rund um die Workshop-Themen vor. Aber was hat Philosophieren eigentlich mit der Gestaltung unserer Zukunft zu tun?

Philosophieren bedeutet gemeinsam mit Anderen nach Antworten auf Fragen zu suchen, die jeden gleichermaßen betreffen – es bedeutet im Gespräch Gedanken, Standpunkte und Erfahrungen auszutauschen und neue Zusammenhänge zu entdecken. Dadurch können wir unsere Zukunft reflektierter und bewusster gestalten. Und genau das steht auch in drei unserer laufenden Projekte im Mittelpunkt, welche wir den Besucher*innen vorstellten.

Die Philosophische Berufsorientierung begleitet Jugendliche bei der Berufswahl und fragt z.B. was eine gute Entscheidung ausmacht oder wie man mit Konflikten und Enttäuschungen umgeht.
Im Projekt JungeVor!Denker philosophieren wir mit Kindern und Jugendlichen über Themen von Nachhaltigkeit und widmen uns der Frage, wie wir leben wollen.
Das Projekt „Zukunft im Dialog – Werte für ein neues WIR in der Gesellschaft!“ richtet sich an die Aufnahmegesellschaft und hinterfragt, wie diese mit neuen Herausforderungen umgehen kann und wie diese Entwicklungen mit bestehenden Werten in Einklang gebracht werden können.

 

 

Zukunft braucht ein Nachdenken und ein Hinterfragen, braucht Raum für Dialog und Raum um hinzuhören.

Zukunft braucht Philosophieren.

Zukunft braucht UNS!

 

Zukunft im Dialog – Werte für ein neues WIR!

Wann warst du das letzte Mal wirklich aufnahmefähig?

Was für eine Frage…! Sind wir nicht ständig aufnahmefähig? Oder vielmehr – müssen wir nicht ständig aufnahmefähig sein? Über diese Frage haben wir im Kontext unseres neuen EU-geförderten Projekts mit Projektpartnern philosophiert. Das Projekt „Zukunft im Dialog – Werte für ein neues WIR in der Gesellschaft“ wird vom AMIF – dem Asyl-, Migrations- und Integrationsfond – finanziert und wendet sich „ausdrücklich an die Aufnahmegesellschaft“. Am 19. September war Kickoff für Projektpartner und solche, die es werden wollen. Das philosophische Gespräch zum Einstieg ergab, dass viele dann aufnahmefähig sind, wenn sie etwas besonderes anstreben, aber auch, dass Aufnahmefähigkeit Kraft gibt, um kreativ tätig zu werden oder um etwas geben zu können. Interessant, oder?

Doch was ist eigentlich eine „Aufnahmegesellschaft“? Was kann und muss jeder Einzelne von uns geben, damit überhaupt eine Gemeinschaft entsteht? Uns ging es dabei auch um die Frage, wie wir jetzt und in Zukunft leben wollen, sodass sich eine Gesellschaft mit Raum für Neues und Neugierde aufeinander bildet – also eine echte „Aufnahmegesellschaft“?

Und genau diesen Fragen widmet sich auch unser neues Projekt, denn die humanitäre Krise der weltweiten Flüchtlingsbewegungen, die auch 2015 Deutschland erreicht hat, hat gezeigt, wie schwierig es ist, ein gesellschaftliches Wertesystem mit der gesellschaftlichen Realität in Einklang zu bringen. Zwar wurde durch die amtliche Statistik Ende 2017 ein Rückgang des Zuwachses an Geflüchteten verzeichnet, allerdings nahm damit auch das notwendige ehrenamtliche Engagement vieler BürgerInnen ab. Für eine gelingende Integration, muss aber das Bewusstsein erwachsen, dass eine solche Situation jederzeit wieder entstehen kann sowie dass die Konflikte beim Thema Migration und Integration ein Symptom einer größeren Herausforderung sind, die auch Themen wie den Klimawandel oder die Realität in einer globalen, technisierten, jungen Generation betrifft: Kurzum geht es uns um die Frage, ob und wie Gesellschaft in der Lage ist, neue gesellschaftliche Entwicklungen aufzunehmen und sie auf kreative Art und Weise mit bestehenden Werten in Einklang zu bringen.

Welche Wirk- und Spielräume bietet unser Projekt, welche Möglichkeiten sind damit verbunden? Im Kickoff stellten wir unseren Partner unsere „Herzensthemen“ vor, um ihren Appetit für die Zusammenarbeit anzuregen. Da wir das Projekt bewusst offen gestaltet haben und wir durch das Projekt ein natürliches Miteinander fördern wollen, konnten unsere Partner ihre eigenen Ideen im Rahmen einer „Küche der Möglichkeiten“ einbringen.

Schließlich kam eine riesige „Tafel“ voller Zutaten und Gerichten zusammen – eine Fülle an Ideen und Vorschlägen zur Zusammenarbeit im Projekt. Wir möchten uns herzlichst bei allen bedanken, die gekommen sind, um mit uns an der Entwicklung des Projekts zu arbeiten. Gemeinsam konnten wir ganz neue Räume und Möglichkeiten der Partnerschaft und Kooperation durch eine freiwillige und unbeschwerte Begegnung erschließen. Danke an den Montessori Landesverband Bayern, das JFF Institut für Medienpädagogik, das Papiertheater Nürnberg, Rock your life!, den Nachbarschaftstreff Hirschgarten, rehab republic e.V., die bfz, das Referat für Bildung und Sport der Stadt München sowie an IN VIA Augsburg.

Weitere Informationen zum Projekt findet ihr in Kürze auf unserer Projekt-Website sowie in dem dazugehörigen Blog. Bei Interesse an einer Beteiligung/Partnerschaft kann man sich an Julia Blum-Linke oder Sinan von Stietencron wenden.

 

Kontakt:

Julia Blum-Linke

Mail: julia.blum@philosophische-bildung.de

Fon: 089 – 44108 523

 

Sinan von Stietencron

Mail: sinan.vonstietencron@philosophische-bildung.de

Fon: 089 – 44108 523

Neue Reihe mit der Stiftung Weltethos

Im Juli startet unsere staatlich geförderte Zusatzausbildung „Philosophieren über Werte im interkulturellen Dialog“. Für diese neue Werte-Reihe haben wir uns mit der Stiftung Weltethos zusammengetan und eine Ausbildung entwickelt für alle, die im interkulturellen Kontext arbeiten. Die zentralen Fragen haben wir gemeinsam mit der Stiftung noch einmal genauer angeschaut: Woher kommen unsere Werte? Was eint und was trennt Menschen? Unter welchen Bedingungen entwickeln sich Freiräume in Gemeinschaften? In den vier Modulen geht es aber nicht nur um gesellschaftliche Wertesysteme. Vor allem wird uns die Frage beschäftigen: Was ist für mich wichtig und wertvoll? Und: Was setze ich tatsächlich um, wovon rede und träume ich nur?

Die Zusatzausbildung startet

Gefördert wird die Reihe vom Bayerischen Ministerium des Innern, für Sport und Integration sowie von der Stiftung Wertebündnis Bayern. Hier finden Sie alle Daten und Informationen in der Übersicht.

Werte.Dialog.Integration – ein Blick hinter die Kulissen

Wie kommt man in den Dialog mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und wie fördert man das Verständnis füreinander? Bereits im dritten Jahr gehen wir mit dem Projekt Werte.Dialog.Integration dieser Frage nach. Im Laufe des Projekts haben wir schon mit ganz unterschiedlichen Menschen über Heimat, Leben, Werte philosophiert.

Ein paar Beispiele: die Frage „Was ist wirklich wichtig im Leben?“ beginnt bei der Betrachtung der eigenen Werte. Sie eröffnet aber ein Feld, das sich zwischen Familie, Mut, Vertrauen, Freiheit, Geld, Arbeit aufspannt. „Was ist ein Wert? Und sind Werte verhandelbar?“ lässt eine Überprüfung des eigenen Standpunkts zu: Wovon spreche ich, wenn ich von Werten rede? Verstehe ich, was mein Gegenüber meint? Bezogen auf die Zukunft stellt sich die Frage „Wie will ich, wie wollen wir leben?“ als große Herausforderung dar: Finden wir eine gemeinsame Richtung – einen „Kanon der Werte“ – der mit uns wächst und an dem wir uns orientieren können? Und worum lohnt es sich, zu ringen?

Die Zusatzausbildung „Philosophieren über Werte im interkulturellen Dialog“ greift diese Erfahrungen auf und beantwortet die Frage: Wie moderiere ich ein philosophisches Gespräch, in dem sich unterschiedliche Wertesysteme begegnen?  Das Besondere an den WerteDialogen: Auch wenn vehement argumentiert wird, geht es weniger um die Verteidigung einer Ansicht, als um das Verstehen. Die Sicht geht weg vom Ich und eröffnet Raum für die Frage: Wie genau und warum denkt und fühlt der andere so? Der WerteDialog ist ein Ort der Begegnung von Menschen unterschiedlicher Herkunft, verschiedener Generationen oder mit entgegengesetzten Standpunkten. Als Kulturtechnik greift er daher überall dort, wo Menschen ernsthaft um ein Miteinander ringen.

 

New Work, Stress und die Frage: Was tue ich hier eigentlich!?

Der erste WerteDialog.Zukunft hat über 25 Menschen aus dem Wertebündnis-Kontext und darüber hinaus zu einem gemeinsamen philosophischen Abend zusammengeführt. Thema des ersten WerteDialog.Zukunft: „New Work und Stressmanagement“. Den Impuls für den gemeinsamen WerteDialog gab Silke Wolf mit ihrem Kurzvortrag „Ménage-à-trois: Wie der Bestseller ‚Eine kurze Geschichte der Menschheit‘, New Work und Agilität zueinander stehen“. Wolf, die Mathematik studiert und viele Jahre als IT-Consultant tätig war, arbeitet heute als Coach und Beraterin u.a. für Menschen, die sich nach Burnout-Phasen neu orientieren.

Sinnsuche gegen Burnout

Kern des Vortrags war die Vorstellung des NLP-Modells, also der hierarchisch gegliederten Denk-Ebenen nach Robert Dilts, die sich wechselseitig beeinflussen, bspw.: Umwelt, Verhalten, Fähigkeiten, Identität, Zugehörigkeit, Spiritualität (die Frage nach dem Sinn). In Bezug auf die in der Welt der New Work geforderte stete Beweglichkeit und Anpassungsfähigkeit („agility“) und die damit einhergehende Überforderung vieler Menschen, schlug Wolf vor, Dilts‘ Pyramide umzudrehen: Die erste Frage, die man stellen sollte, sei die Frage nach dem Sinn! Sie erklärte, dass Menschen, die in einen Burnout geraten, nicht selten zuletzt über den Sinn ihrer Arbeit nachdenken. Irgendwann aber käme die Frage auf: „Was tue ich hier eigentlich?!“ – eine Tatsache, die das innere Ausbrennen befeuern und zum persönlichen Zusammenbruch führen könne. Insbesondere dann, wenn es um Veränderungsprozesse in der Arbeitswelt gehe und „agility“ gefordert sei, sei es hilfreich, beim Sinn zu beginnen. Erst dann solle man z.B. nach den persönlichen Fähigkeiten oder dem Arbeitswelt-Kontext fragen. Anstelle eines reaktiven Verhaltens sei in Zeiten der Veränderung also ein proaktives Agieren gefragt. Dazu gehörten „Veränderungskompetenzen“, die u.a. die Bereitschaft zur Mitgestaltung und die Lust am Umdenken voraussetzen. In diesem Zusammenhang fiel der Begriff eines „agilen“, also beweglichen und veränderbaren, Wertesystems. Bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern provozierte dieser Begriff die Frage, ob denn ein solches erstrebenswert sei. Dieser Fragestellung wurde im philosophischen Wertedialog nachgegangen.

Ist ein „agiles“ Wertesystem erstrebenswert?

Das Wort „agil“ stammt aus der Programmier-Welt. Es beschreibt die Anpassungsfähigkeit von Systemen, die deren Überleben sichert. Im normalen Sprachgebrauch beschreibt es jemanden, der trotz hohen Alters noch beweglich ist. Aber: Gibt es ein agiles Wertesystem? Oder ist das ein Widerspruch in sich? Und wenn ja, ist dieses wirklich erstrebenswert?

Weitere Fragestellungen, die aus dem Publikum in Reaktion auf Wolfs Impulsvortrag kamen:

Inwieweit sind Menschen selbstbestimmt?

Wieso machen Veränderungen Angst?

Brauchen wir für agiles Handeln nicht eine andere Fehlerkultur?

Ist der Mensch ein Algorithmus?

Muss ich mich ändern oder bin ich ok und die Umwelt muss sich ändern?

Was machen wir, wenn es nichts mehr zu optimieren gibt?

Der Abend fand einen bewegten Ausklang am Buffett. An den vielen Gesprächen, die sich hier entspannen, war zu spüren, dass das Thema und der Vortrag von Silke Wolf viel Stoff zum Austausch bot.

 

Der nächste WerteDialog.Zukunft findet nach den Sommerferien statt. Die Wertebündnispartner sind eingeladen, ihre Anregungen oder Vorschläge für Impulsgeber (möglichst bis Ende Juni) an stiftung@wertebuendnis-bayern.de zu schicken.

Die nächste Zusatzausbildung „Philosophieren über Werte im interkulturellen Dialog“ startet am 11. und 12. Juli in Bamberg.

Junge Vor!Denker – Wiedersehen nach 8 Jahren

Ein glitzerndes Puppenkleid, Geld, Blumen, eine versteinerte Muschel – in der Mitte des Sitzkreises liegt eine bunte Auswahl an Gegenständen. Sieben Kinder zwischen 5 und 6 Jahren sind zusammengekommen, um zu philosophieren. Das Thema der Runde: Was bin ich wert?

Rückblick 2011: Das Projekt Junge Vor!Denker

Ich bin im Kindergarten Dorfen, nahe des Starnberger Sees. Das letzte Mal war ich vor ziemlich genau 8 Jahren hier, am 27. und 28. Mai 2011. Damals haben Evi Witt-Kruse und ich hier eine Fortbildung durchgeführt: Das letzte Modul des Pilotprojektes „Junge Vor!Denker! – Philosophieren über Nachhaltigkeit“. Zu Beginn des Projekts wusste eigentlich noch niemand so genau wie das geht, Philosophieren über Nachhaltigkeit. Im Raum stand die Frage, wie man die philosophische Haltung des „Ich weiß, dass ich nicht weiß“ mit dem notwendigen Wissen, das eine Bildung für nachhaltige Entwicklung beinhaltet, zusammenbringen kann. Und wie wir den Teilnehmern der Grundschule Icking und der Kindergärten Icking und Dorfen Wissen über Nachhaltigkeit vermitteln können, ohne selbst ins Dozieren zu kommen und den Zeigefinger zu erheben.

Zusammen mit den Erzieherinnen und Lehrkräften des Pilotprojekts haben wir jedoch einen Weg gefunden. Wir haben uns überlegt, welche Rolle die Haltungen des Philosophierens wie Achtsamkeit, Neugier, Offenheit für die Vermittlung von Wissen spielen. Wir haben weiterführende philosophische Fragen formuliert, die es ermöglichen, dieses Wissen im philosophischen Gespräch zu reflektieren. Und wir haben gemeinsam Ideen entwickelt, wie die Erkenntnisse der Kinder ins Handeln übersetzt werden können. Auf diesen drei Säulen – Wissen über Nachhaltigkeit, Reflexion im Gespräch, Handeln – ruht die Zusatzausbildung Junge Vor!Denker auch heute noch. Immer verknüpft mit der Hoffnung, dass daraus eine Haltung entsteht, die Kindern eine Grundlage bietet für nachhaltiges Handeln. In ihrem Alltag heute, aber auch für ihr späteres Leben.

Philosophieren heißt, von Herzen zu sprechen

Ulrike Schwarz, die Leitung des Kindergarten Dorfen und ihre Kollegin, Jana Dyck, haben damals am Pilotprojekt Junge Vor!Denker teilgenommen. Und sie sind dabei geblieben. Für Ulrike sind die philosophischen Gespräche mit den Kindern nicht mehr wegzudenken. Sie schätzt am Philosophieren vor allem, das es die Gemeinschaft stärkt und den Kindern hilft, in Beziehung zu bleiben: „Das Philosophieren gibt den Kindern die Möglichkeit, von Herzen zu sprechen. Sie lernen, auch vor anderen Kindern zu sagen: So geht es mir. Das denke ich.“

Ich bin heute eingeladen und freue mich zu sehen, was sich in den letzten 8 Jahren getan hat. Zum Einstieg in die philosophische Runde dürfen sich die Kinder aus dem Kreis einen Gegenstand nehmen, den sie besonders wertvoll finden. John nimmt sich die Geldscheine. „Warum ist das Geld für dich besonders wertvoll?“ will Ulrike, die das Gespräch leitet, wissen. „Damit kann man die Lebensmittel kaufen!“. Julia hat sich Blumen genommen. „Blumen sind wertvoll, weil sie schön sind. Sie geben Luft. Und die Bienen brauchen sie.“ So geht es reihum. Ein Mädchen nimmt sich einen Stern, weil Sterne so schön glitzern, ein Junge ist fasziniert von einer versteinerten Meeresschnecke: „Die ist so schön glatt.“

Glitzerkleid oder Blume – Was ist wertvoll?

„Was bin ich wert?“ fragt Ulrike schließlich in die Runde und legt eine Hand auf sich. „Was seid ihr wert?“ Die Kinder überlegen eine Weile. Etwas zu sagen traut sich noch niemand. Ulrike probiert es nochmal mit einer anderen Frage: „Was seid ihr wert für eure Mama und euren Papa?“ „Das Wichtigste!“, ruft John sofort und andere Kinder nicken. „Was ist denn wertvoll an dir?“, will Ulrike weiter wissen. „Was steckt in dir?“

Julia: „Mein Herz.“

Kannst du das noch genauer sagen, was du damit meinst? Vielleicht kann dir auch jemand helfen?
Luis: „Ja, die Freundschaft!“
Emelie: „Ich weiß noch was. Die Liebe.“

„Die Liebe macht einen wertvoll. Wenn man weiß, man wird geliebt?“
Ja.

Kasper, du hast doch Kälber. Bist du für deine Kälber auch wertvoll?
Kasper: Ja.

Warum?
Kasper: Die geben Milch. Ich gebe ihnen Futter.

Wie fühlt sich das an, wenn ich merke, ich bin etwas besonderes, ich bin wichtig für die Mama, für die Freundin, für die Tiere?
Julia: Im Herz. Das fühlt sich gut an.
John: Das Herz ist wichtig zum Leben.

Was ist das denn, wertvoll sein?
Luis: Ich finde die Tiere wertvoll.
Emelie: Die Schätze
Julia: Die Sterne für mich, weil die so schön funkeln und der Mond hilft mit.

Meinst du, dass die Natur noch wertvoller ist als die Schätze? Oder auch wertvoll?
Luis: Die Natur. Und die Bäume. Und alles, was es auf der Welt gibt.
Julia: Ich finde die Familie wertvoll.
Emelie: Ich finde wichtig, dass alle glücklich sind.
Kasper: Ich finde Fernseher und Handy nicht so wichtig.
Julia: Ich finds auch wertvoll, dass man Freunde hat und viel Glück.

So beginnt das Gespräch zur Frage: „Was bin ich wert?“. Ulrike fordert immer wieder Begründungen ein, will etwas genauer wissen, fragt nach anderen Meinungen. Was sie nicht macht, ist zu werten. Am Ende des Gespräches soll nicht stehen, dass die Natur wertvoller ist als Schmuck. Oder die Familie ein höheres Gut als ein großes Auto. Auch die Meinung, dass das Glitzerkleid am wertvollsten ist, einfach, weil es so schön ist, darf stehenbleiben. Ulrike ist genau das wichtig: „Beim Philosophieren spüren die Kinder: ich bin selbstwirksam und meine Meinung wird respektiert. Es gibt Kinder, die sind dann der gleichen Meinung, andere hören nur zu. Wieder andere sind dagegen und lernen: ich kann das aushalten, denn es ist wichtig zu sagen was aus dem Herzen kommt.“ Beim Philosophieren, so Ulrike, lernen die Kinder über ihre Gefühle nachzudenken. Und eigene Lösungen zu finden. „So eine Gemeinschaft macht stark für die Schule.“

Die Jungen Vor!Denker heute

Seit den Anfängen des Projektes hat sich viel getan bei den Jungen Vor!Denkern: Im letzten Jahr wurde das Projekt mit dem Qualitätssiegel Umweltbildung.Bayern ausgezeichnet. Die Fortbildungsreihe wird regelmäßig in München und in Niederbayern durchgeführt, hier durch unseren Kooperationspartner, die Hans Lindner Stiftung. Momentan läuft außerdem eine Reihe im Nationalpark Schwarzwald und im Naturerlebniszentrum Burg Schwaneck, die vom Kreisjugendring München-Land und dem Ökoprojekt MobilSpiel e.V. in Kooperation mit uns angeboten wird.

Die nächste Zusatzausbildung „Philosophieren über Zukunftsfragen und Themen der Nachhaltigkeit“ startet am 9. und 10. November bei uns in München.

 

Was hinter Flyern steckt – Mein Praktikum bei der Akademie

Öffnet man den Flyer des Werte.Dialog.Integration Projekts der Akademie für philosophische Bildung und Werte Dialog, erfährt man sogleich, dass „die Akademie spezielle Formate des philosophischen Dialogs für verschiedene Zielgruppen als fruchtbare Möglichkeit der Auseinandersetzung über verschiedene und gemeinsame Wertvorstellungen – und über gängige Grenzen im Kopf hinweg“ entwickelt. Aber wie genau kann man sich diese fruchtbare Möglichkeit der Auseinandersetzung vorstellen? Flyer müssen gut ausschauen und vielversprechend klingen, aber was steckt dahinter?

Ich hatte die Gelegenheit einen Blick hinter die Worte des Flyers zu werfen und die Arbeitswelt der PhilosophenInnen mitzuerleben. Als Praktikantin durfte ich unter anderem Julia Blum-Linke bei einem Auftrag des bfz Augsburg unterstützen. Sie wurde gebeten für zwei der dortigen Berufsintegrationsklassen einen dreiteiligen Workshop zu gestalten, der zum einen der Wertebildung dient und zum anderen den Schülern hilft sich selbst besser kennenzulernen. Nach einigem Brainstorming und vielen verworfenen Ideen stand schließlich das Konzept: 1) Was ist wirklich wichtig im Leben? 2) Wer bin ich? Wer will ich sein? 3) Wie treffe ich wichtige Entscheidungen? Die Workshops wurden jeweils in den Klassen durchgeführt und ich hatte die Möglichkeit an einem der ersten Workshops und bei beiden Durchführungen des zweiten Workshops teilzunehmen und mitzuwirken.

 

Wofür brauchen wir den Wertedialog?

„Es muss einen tiefergehenden Dialog […] geben, über das was eine Gemeinschaft trägt, was sie zusammenhält und wohin sie sich bewegen will.“ Um das herauszufinden, muss ich als Teil der Gesellschaft wissen, wer ich bin, was mir wichtig ist und wohin ich will. Im ersten Workshop konnten die Schüler sich überlegen, was ihnen wirklich wichtig ist. Jeder sollte eine Sache für sich finden und bei einem anschließenden Austausch in einer kleinen Gruppe, sollte eine Wertehierarchie aufgestellt werden – Was ist uns am wichtigsten?

Zurück in der ganzen Gruppe zeichnete sich folgendes Bild: Mehrere Gruppen waren zu dem Ergebnis gekommen, dass Gesundheit und Familie das wichtigste in ihrem Leben sei. Auch genannt wurde Liebe, Mut, Reisen, Mutter. Gemeinsam einigten wir uns darauf über darüber zu philosophieren, was Familie eigentlich ist und fanden Stichworte wie Kraft, (Selbst)vertrauen, Unterstützung, Liebe, Trost, Respekt, Verantwortung, Liebe… und philosophierten weiter über diese. Auch der zweite Workshop ergab eine spannende Bandbreite an Gedanken zum Ich: Von einfacheren Merkmalen des Ichs wie Name, Alter, Herkunft, Beruf, Status, über Beziehungen in Familie und mit Freunden und (Selbst)vertrauen bis hin zu der Überlegung, was einen guten Charakter auszeichnet (Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Aufrichtigkeit…) und zu Hoffnung, Träumen und Glauben, die die Kraft geben Ziele zu erreichen.

Die philosophische Gesprächsleitung

 „… vertieft das Gespräch durch Nachfragen, gibt Denkanstöße und motiviert, genau hinzusehen, bewusst zuzuhören und öfter nachzufragen.“  Diese Beschreibung klingt auf das erste Lesen sehr viel leichter als es ist. Vor allem wenn von keinem der Teilnehmer Deutsch die Muttersprache ist. Ich war beeindruckt von der Leichtigkeit, mit der Julia den Überblick behielt, Impulsfragen so stellte, dass Gedanken weiter entwickelt wurden und neue Perspektiven entstanden. So warf sie beispielsweise, als wir bei dem Thema Respekt angelangt waren, die Frage auf, ob man seinen Lehrer auf die gleiche Weise respektiert wie seinen Vater. Nachdem die Schüler über diese Frage nachgesinnt hatten, fiel ihnen auf, dass einige der Werte, die wir in Bezug auf die Familie gesammelt hatten, auch für andere Lebensbereiche gültig sind.

Weiter vorne im Flyer heißt es außerdem: „Die Gesprächsleitung schafft die Bedingungen dafür, dass den verschiedenen Ansichten mit Respekt und Wertschätzung begegnet werden kann.“ Zu dem einfühlsamen, aufmerksamen Umgang mit den Teilnehmern fallen mir zwei einprägsame Beispiele ein. Zum einen führten wir zu Beginn des zweiten Workshops als Einstieg eine Übung durch, bei der jeder drei Fähigkeiten und Talente aufschrieben sollte, die er sowohl charakterlich als auch im schulischen Bereich an sich findet. Einer der Jungen saß unmotiviert da und schrieb Nichts auf. Als Julia ihn fragte, warum das so sei, meinte er: „Ich kann nichts wirklich gut.“ Daraufhin nahm Julia ihn zur Seite und stellte ihm während der restlichen Übung Fragen, die ihm halfen nun doch ein paar Punkte aufschreiben zu können. Das zweite Beispiel war ein Kompliment, das die dortige Lehrerin, die ebenfalls am Workshop teilnahm, Julia zusprach. In der Gruppe war ein Junge, der sehr unruhig war und hin und wieder unangemessene Beiträge brachte. Die Lehrerin meinte zu Julia, dass es schön sei, wie sie den Jungen in seiner Art annahm und ihm Raum gab, er selbst zu sein und gleichzeitig seinen Fokus auf das Gespräch lenkte.

 

Ein Gespräch als Ort der Begegnung

„Der Wertedialog kann als Ort verstanden werden, an dem sich die Menschen kennen lernen – sich selbst und ihr Gegenüber. Hier gibt es die Möglichkeit, eigene Haltungen und Standpunkte zu prüfen, Gedanken laut zu formulieren, gemeinsame Perspektiven zu entwickeln.“ Das das philosophische Gespräch ein Ort ist, an dem sich die Teilnehmenden besser kennen lernen wird vielfach bestätigt, auch hier wieder. In der Abschlussrunde, meinten die Lehrer, dass sie an ihren Schülern neue Seiten entdeckt hätten und auch die Schüler ließen verlauten, dass es interessant war, die Perspektiven der Anderen zu sehen und sie nun besser verstehen könnten, wie der jeweils andere tickt. Ein Beispiel hierfür ergab sich aus der Frage nach Respekt. Eine Schülerin erklärte, dass sie Andere erst dann respektiert, wenn sie ihr mit Respekt begegnen, wird sie nicht respektiert, respektiert sie auch niemanden. Die Meinungen darüber waren gespalten: Muss mich der Andere wirklich zuerst respektieren? Allerdings erklärt die Sichtweise der Schülerin ihr Verhalten und macht es den Anderen eventuell leichter sich auf sie einzulassen.

Wenn das philosophische Gespräch ein Ort der Begegnung ist, dann muss auch Raum für persönliche Erfahrungen sein. Im Flyer heißt es: „Lebenswelt, Erfahrungen und Sichtweisen der Teilnehmenden geben den Anlass zum Gespräch und bieten Raum für die großen Fragen an die Gemeinschaft und an das Leben.“ Für diese Erfahrung gibt es zahlreiche Beispiele, aber eine ist mir besonders ans Herz gegangen. Ein Junge meinte, dass er niemandem mehr vertraut. Er erklärte, das dem so sei, weil seit er in Deutschland ist, alle immer gesagt hätten: Vertrau uns! Mach dieses und jenes. Vertrau uns, wir holen deine Familie her. Allerdings hat er mit dem Vertrau-uns der Behörden nur schlechte Erfahrungen gemacht. Er nannte uns auch ähnliche Beispiele aus seinem Privatleben. Das Fazit seiner Erlebnisse war also, dass Vertrauen etwas schlechtes ist. Im weiteren Gesprächsverlauf ergab sich jedoch noch eine andere Perspektive. Die die Teilnehmenden stellten fest, dass Vertrauen wichtig ist für den Umgang miteinander und für das Leben. Außerdem bemerkte jemand, dass der Junge ja doch ein Stück Vertrauen in die Anderen Gruppenmitglieder haben müsse, da er sonst gar nichts von sich erzählen würde.

 

Ich als Praktikantin

Am Ende meines Praktikums kann ich festhalten: Die Akademie hält alles was sie in Flyern und auf der Homepage verspricht. Sowohl in Bezug auf das Werte.Dialog.Integration Projekts, als auch bei der philosophischen Berufsorientierung, als auch bei den Fortbildungen. Und selbstverständlich auch hinsichtlich des Praktikums. Ich hatte Gelegenheit in allen Bereichen der Akademie mitzuarbeiten – Fortbildungsorganisation, Workshopkonzeption, philosophische Berufsorientierung, Öffentlichkeitsarbeit… – und durfte an Fortbildungen und Workshops teilnehmen.

 

Vielen Dank für diesen Beitrag an Theresa Kern – und alles Gute für deinen weiteren Lebensweg!

Dorfgespräch in Amerang

Angenehm. Anders. Amerang. Weil Amerang so angenehm anders ist, waren wir am 26. März zu einem Dorfgespräch dort, um mit den Bewohnern des Ortes über die Werte zu Philosophieren, die für das dörfliche und europaweite Zusammenleben zentral sind. Dieses Zusammentreffen entstand vor dem Hintergrund der Kooperation mit unserem Wertebündnispartner ‚Dorfgespräch!‘, der einen Austauschabend zu dem Thema ‚Europa und ich‘ in Amerang organisiert hatte.

Nachdem sich etwa 40 Bürger im Pfarrsaal der Gemeinde versammelt hatten, begann der Abend mit einem Speeddating, bei welchem unterschiedliche Fragen in Bezug auf Amerang und Europa im Mittelpunkt standen. Dabei waren viele Stimmen zu hören. Es wurde deutlich, dass es den Bürgern von Amerang wichtig ist, dass es in Europa keine Grenzen gibt, dass wir frei sind, das der Frieden wegweisend ist und Vielfalt und Hilfsbereitschaft bedeutsam sind.

Nach diesen ersten, kürzeren Dialogen bekam jeder Einzelne die Aufgabe, sich zu überlegen, welcher Wert für das Zusammenleben der wichtigste sei. Anschließend wurden Gruppen gebildet, um sich über die gefundenen Werte auszutauschen und diese zu hierarchisieren. Mit dem Wert, der auf Platz Nummer Eins gelandet war, versammelten sich die einzelnen Gruppen wieder im großen Sitzkreis und erklärten, wie sie zu ihrem wichtigsten Wert gekommen waren und bildeten auch hier wieder eine Rangordnung. Das Ergebnis waren folgende Werte: Toleranz, Solidarität, Empathie, Wertschätzung und Gleichheit vor dem Gesetz.

Im Anschluss daran gingen wir gemeinsam der Frage nach, was Toleranz eigentlich ausmacht. Dabei stießen wir auf viele weiterführende Fragen:  Reicht Toleranz aus oder ist sie zu passiv im Sinne von Dulden? Ist Solidarität für unser Zusammenleben nicht wichtiger, da sie den Fokus mehr auf Aktivität und Eigenverantwortung legt? Ist Toleranz vielleicht immer dann einfach, wenn man von Menschen umgeben ist, die einem ähnlich sind? Sind wir in unseren Vorstellungen von Toleranz immer ehrlich? Handeln wir oft anders, als wir es vorgeben zu tun?

Nach dieser intensiven Runde wurde es wieder praktisch und alltagsbezogen: in kleineren Gruppen wurden Ideen gesammelt, wie die diskutierten Werte bei einer öffentlichen Aktion am 5. Mai im Zentrum Amerangs gelebt werden könnten. Die Überlegungen reichten von Speakers‘ Corner über eine lange Tafel mit Mitgebrachtem, offener Bühne und Europaquiz bis hin zu europäischen Spuren in Amerang und Dorfgeschichten über die Vielfalt Amerangs. Ein Organisationsteam wird nun konkrete Ideen weiter verfolgen. Wer gespannt ist, auf die Umsetzung der Ideen ist herzlich zum nächsten Dorfgespräch am 5. Mai eingeladen, das zwischen 12 und 16 Uhr im Freien hinter der Amerganger Kirche statt.

Abschließend hatte jeder die Möglichkeit ein persönliches Fazit zu äußern. „Im Kries sind wir alle nebeneinander“ „Sich näherkommen und miteinander beschäftigen“ „Toleranz ist Duldsamkeit, das Gegenstück ist Leibe.“ „Manchmal ist es schmerzlich tolerant zu sein.“

 

Video zum Dorfgespräch

Gesucht: Realschulen in München

Wir können jetzt wieder Workshops zur philosophischen Lebens- und Berufsorientierung vergeben. Lebens- und Berufsorientierung? Klassischerweise werden in der Berufsorientierung Stärken und Schwächen ermittelt. Berufsbilder vorgestellt. Die ein oder andere Praxiserfahrung gesammelt. Diese Kenntnisse sind wichtig. Die Frage „Was will ich werden?“ umfasst aber viel mehr. Sie beinhaltet die Frage nach dem „Wer bin ich?“. Sie fragt danach, wie man sein Leben gestalten möchte. Und nicht zuletzt geht es auch um gelebte Werte. Diesen Fragen geht die philosophische Lebens- und Berufsorientierung nach.

Aktuell können wir je drei 90minütige Workshops zur philosophischen Lebens- und Berufsorientierung vergeben. Die Schülerinnen und Schülern setzen sich in dieser Zeit mit folgenden Fragen auseinander:

  • Wie finde ich einen Beruf, der zu mir passt?
  • Wer bin ich und wer möchte ich werden?
  • Wie treffe ich eine richtige Entscheidung?

Das Angebot richtet sich an die 9. Jahrgangsstufe aller städtischen Realschulen in München. Die Maßnahme wird finanziert von der Stadt München und der Bundesagentur für Arbeit.

Weitere Informationen zur philosophischen Lebens- und Berufsorientierung findet ihr hier. Oder ihr wendet euch direkt an Petra Reuß. Sie kann euch auch mehr darüber erzählen, wie Eltern von dem Angebot profitieren können.

Gibt es sie noch, die verbindlichen Werte?

In der Akademie für Politische Bildung am Starnberger See haben wir am 23. Februar einen besonderen Nachmittag verbracht: Im Workshop „Bildung für die Demokratie“ haben 16 TeilnehmerInnen mit uns intensiv über die Frage nach den verbindlichen und grundlegenden Werten einer Demokratie, unserer Demokratie, geforscht. Der Kurs fand statt auf Einladung der Akademie für Politische Bildung, die als Partner von Street Philosophy das Rahmenprogramm zur Bildungskonferenz „Beyond Knowledge“ gestaltet hat. Organisiert hatte diese Konferenz das starke Frauen-Duo Julia Kalmund und Nina Schmid im Literaturhaus. Es waren kluge Menschen geladen, wie der Philosoph und Autor Richard David Precht, die Kriegsfotografin Julia Leeb, Astrophysiker Harald Lesch oder Philosophin und Autorin Ariadne von Schirach u.v.m., die über die Themenverkettung „Bild, Bildung, Menschenbildung“ sprachen. Nina Schmid moderierte mit Tiefsinn, poetischer Kraft und offenem Herzen (man kann es einfach nicht anders sagen).

 

Unser Einstieg in den Workshop-Nachmittag begann denn auch mit Zitaten aus der Konferenz:

„Wir sind beim Lernprozess von der Schallgeschwindigkeit zur Lichtgeschwindigkeit übergegangen.“ – Harald Lesch

„Schule kann nicht alle gesellschaftlichen Probleme auffangen durch immer neue Angebote!“ – Aga Trnka-Kwiecinski

„Wir brauchen nicht leistungsfähige, sondern beziehungsfähige Kinder. (…) Bildung ist Emotionalität. (…) Wir lernen und erinnern durch Emotionen.“ – Aga Trnka-Kwiecinski

„Bilder verbinden Fakten mit Gefühlen. (…) Bilder haben was mit Bildung zu tun.“ – Julia Leeb

„Der Mensch ist (im Gegensatz zur KI) natürlich, emotional, fiktionsbedürftig, moralfähig. (…) Kreativität bedeutet nicht Problemlösung.“ – Richard David Precht

„Wir sind Wesen, die sich selbst gestalten.“ – Ariadne von Schirach

 

Welche Fragen wir erarbeitet und über welche Werte wir philosophiert haben, das hat dankenswerterweise Julia Kalmund bereits zusammen gefasst und veröffentlicht: https://street-philosophy.de/bildung-fuer-die-demokratie/ . Aber nicht nur deshalb ist der Blog von Nina Schmid und Julia Kalmund unbedingt lesenswert , es lohnt sich immer wieder, einen Blick hinein zu werfen! Vielen Dank an StreetPhilosophy für die Einladung und den bericht – wir freuen uns auf weitere gemeinsame Aktivitäten!

Der Titel der nächsten Konferenz von Street Philosophy lautet übrigens: „Beyond Ideology“ – wir sind gespannt.

Julia Blum-Linke

 

Ohne Werte wären wir Maschinen.

Diese Erkenntnis nahm eine Schülerin der 8. Klasse aus den philosophischen Gesprächen rund um das Thema Werte mit. Sie ist eine von rund 170 ausgewählten Schülerinnen und Schülern, die in Bayern zu Wertebotschaftern ausgebildet werden. Die Ausbildung ist Teil der Initiative „Werte machen Schule“ des Kultusministeriums Bayern. Mehrere Partner, darunter auch Lehrkräfte und Medienpädagogen, sind an der einwöchigen Schulung beteiligt. Die ersten Workshops fanden in Niederbayern, Schwaben und Oberfranken statt.

Fast zwei Tage haben wir jeweils mit den jungen Wertebotschaftern verbracht. Wir haben mit ihnen darüber philosophiert, was eigentlich ein Wert ist und welche Werte in ihrem Leben eine Rolle spielen. Egal ob daheim, mit Freunden, in der Schule oder in der Gesellschaft. Und natürlich ging es auch um die Frage: Was ist mir persönlich wirklich wichtig? Und auf welcher Wertebasis treffe ich meine Entscheidungen? In einem Workshop erprobten die Schülerinnen und Schüler dann ihre demokratischen Kompetenzen. Die Aufgabe: Einen Konsens finden und sich auf gemeinsame Werte einigen. Gar nicht so einfach. Festgehalten wurden die Ideen und Erkenntnisse der Jugendlichen in Fotografien und in der Vision einer „Idealen Schule der Werte“. Für die Jugendlichen war dieser Teil der Ausbildung ein wichtiger Baustein auf ihrem Weg zum Wertebotschafter. Ihre Erkenntnisse haben die Jugendlichen für sich und andere festgehalten:

„Man kann die Persönlichkeit erst richtig entfalten, wenn man Menschen hat, die einem zuhören.“

„Werte sind wie ein Netz, das uns zusammenhält und uns Zusammenarbeit ermöglicht.“

„Wenn wir keine Werte hätten, wären wir Maschinen, aber keine Menschen. Wir würden nur funktionieren. Werte machen uns menschlich!“

„Wir brocken uns das ja selbst ein, dass wir beeinflusst werden von Social Media und Menschen, die gar nicht so sind, wie sie sich darstellen.“

„Werte können sich verändern, es muss nicht immer alles gleich bleiben – das habe ich für mich erkannt.“

Über die Ausbildung zum Wertebotschafter sollen die Jugendlichen Basiskompetenzen zu Wertebildung, Kommunikationsfähigkeit und Teamführung erwerben. Vor dem Hintergrund aktueller Herausforderungen wie dem digitalen Wandel, Extremismus, Gewalt und Fake News wird den Schülerinnen und Schülern ein starker ethischer Kompass als Richtschnur für ihr Handeln mitgegeben. Ziel ist es, dass sich die jungen Menschen aktiv für ein Miteinander in der Gesellschaft engagieren, das von Respekt und Zivilcourage geprägt ist. Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten sollen sie anschließend an ihre Mitschülerinnen und Mitschüler weitergeben.

Die nächsten Wertebotschafter-Wochen finden im Schuljahr 2019/2020 in Oberbayern, Unterfranken, Mittelfranken und in der Oberpfalz statt.

Foto links und Beitragsbild: Andreas Gebert