Erste „Philosophierende Grundschule“ in Schuttertal / Baden-Württemberg zertifiziert

Erste „Philosophierende Grundschule“ in Schuttertal / Baden-Württemberg zertifiziert

An der Grundschule in Schuttertal wurde in einem zweijährigen Schulentwicklungsprozess das Philosophieren in den Unterrichtsalltag integriert. Philosophie ist dabei kein Unterrichtsfach, es wird vielmehr immer dann Philosophiert, wenn die Kinder eine für sie existenzielle Frage beschäftigt. Am 07.11.2019 wurde die Grundschule in Schuttertal nun als erste „Philosophierende Grundschule“ von der Münchner Akademie für Philosophische Bildung und WerteDialog zertifiziert.

„Wir sind stolz auf unsere Grundschule. Sie beweist Mut und macht Dinge anders. Dieser Mut wird heute belohnt“, lobte Bürgermeister Carsten Gabbert das Engagement. Die Lehrerinnen absolvierten mehrere Fortbildungen und trugen den umfangreiche Evaluierungsprozess mit. Finanziert wurde das Projekt durch die Karl Schlecht Stiftung –  an diesem besonderen Anlass vertreten durch Senior-Bildungsreferent Frank Henssler. Unter den Ehrengästen war auch Volker Schebesta, Staatssekretär im Kultusministerium. Er wandte sich in seiner Rede direkt an die Kinder: „Wenn Kinder Fragen stellen, dann werden wir Erwachsenen wieder aufmerksam. Also Kinder, stellt viele Fragen“.

Beim Philosophieren geht es immer darum, ein Stückchen weiter zu kommen und den Blick zu schärfen, Selbstverständliches zu hinterfragen und Dinge neu zu denken. An diesem Tag wurde in den Klassenzimmern u.a. über das Thema „Anderssein“ philosophiert. Die Kinder stellten z.B. fest, „jeder ist auf seine Art normal und auf seine Art anders“ oder – in Anlehnung an das Grundgesetz – „man darf niemanden ausschließen, auch wenn er beispielsweise aus einem anderen Land kommt oder an einen anderen Gott glaubt“. Die Schulleiterin Susanne Junker bekräftigte: „Das gemeinsame Philosophieren ist eine wertvolle Bereicherung für unsere Schule. Die Atmosphäre füllt dabei spürbar unser Haus mit Ruhe, Wertschätzung, Zugewandtheit und Vertrauen. Deshalb machen wir weiter“.

 

Welttag der Philosophie – WerteDialoge im Werksviertel

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Welttag der Philosophie – WerteDialoge im Werksviertel

Save the Date! Der 21. November ist dieses Jahr der Welttag der Philosophie. Wir folgen dem Aufruf der UNESCO und haben uns für diesen besonderen Tag ein hübsches Programm ausgedacht. Nachmittags philosophieren wir mit Kindern und setzen Gedanken in künstlerische Arbeiten um, wir laden zum Philosophischen SpeedDating für Jung und Alt ein, und wir stellen den Absolventen unserer Akademie die lang ersehnte Datenbank „Der Fragensammler“ vor. Aber das ist uns noch nicht genug… denn auf den Tag folgt die Nacht: Deshalb bespielen wir das Gastatelier der Whitebox auch im Rahmen der „Langen Nacht der Philosophie“. Ab 20 Uhr laden wir Euch ein zu einem WerteDialog|Zukunft mit besonderen Gästen.

Der Eintritt ist für alle Programmpunkte frei. Anmeldung ist erforderlich, bitte so schnell wie möglich, da die Teilnehmerzahl raumbedingt begrenzt ist.
Anmeldung unter fortbildungen@philosophische-bildung.de
Termin: 21. November 2019, 15-23 Uhr
Veranstaltungsort: Whitebox/Gastatelier am Ostbahnhof, München

Programmpunkte:

15:30-16:30 Uhr: Kinder philosophieren!
Referentinnen: Aylin von Platen und Petra Reuß

Sind manche Tiere mehr Wert als andere? Was wäre, wenn es keinen Streit gäbe? Was ist Zeit und warum kann man sie stehlen? An diesem Nachmittag gehen wir auf existenzielle Kinderfragen ein und philosophieren gemeinsam in großer Runde zu einem besonderen Thema.

Das Philosophische Gespräch bietet einen geschützten Raum, der frei ist von (Be-)Wertungen. So eröffnet sich die Möglichkeit, neugierig zu sein, sogar vermeintlich Selbstverständliches in Frage zu stellen und eigenständig zu denken. Kommt und lasst Euch ein auf eine spannende Reise Eurer eigenen Gedanken! Ausklingen wird der Workshop kreativ und bunt – lasst Euch überraschen!

17:00-18:15 Uhr: Speed Dating Philosophie
Referentinnen: Dr. Theres Lehn, Aylin von Platen

Was Philosophieren mit Dating zu tun hat? Philosophieren ist sexy – aber gibt Philosophieren auch konkrete Antworten auf entscheidende Fragen unseres (gesellschaftlichen) Zusammenlebens? Mit einem philosophischen SpeedDating steigen wir ein in ein Gespräch über Sinn und Sexiness, über Du und Wir, über Sosein und Anderssein. Wir begeben uns auf die Suche nach charmanten, gewinnenden, zärtlichen Antworten auf die drängenden Fragen jetzt und hier: Wie können wir auf umgrenztem Raum Freiheit leben? Wie können wir freundlich miteinander ringen? Wie werden wir ein Wir und bleiben trotzdem du und ich? Heute schaffen wir das – aber auch in der Zukunft? Wie leben wir zwischen kurzfristigem Commitment und langfristigen Beziehungen? Schließlich weiß man nie, wem man beim Philosophieren in die Arme läuft… Herauszufinden in der Langen Nacht der Philosophie, in lockerer, genussfreudiger Atmosphäre.

Die Veranstaltung findet statt im Rahmen des Wertebündnis Bayern-Projekts „Zukunft im Dialog – Werte für ein neues WIR in der Gesellschaft“; unterstützt aus dem AMIF-Fonds der EU.

18:45-19:30 Uhr: „Fragensammler“ – eine interaktive Datenbank für die philosophische Praxis geht online
Vortrag: Sinan von Stietencron

Endlich ist sie da! „Fragensammler“ – die Datenbank für die philosophische Praxis. In den vergangenen  zehn  Jahren sind im Rahmen der Zertifizierung unserer Fortbildungsteilnehmer*innen viele gute Umsetzungsideen fürs Philosophieren zusammen gekommen, außerdem besteht bei vielen von uns  schon lange der Wunsch nach einem Austausch- und Inspirations-Portal für die Praxis des Philosophierens. Wir wollten eine intuitiv nutzbare, interaktive, clevere Datenbank erfinden, aufgebaut werden konnte sie jetzt mit dem Themenschwerpunkt Wertebildung im Rahmen des Projekts „Werte.Dialog.Integration.“, unterstützt von den Bayerischen Ministerien für Soziales und für Integration sowie vom Wertebündnis Bayern. „Fragensammler“ verführt die User zum Spielen: Einstiege, Fragestellungen, Schlagworte, Themen können zu neuen Ideen für philosophische Einheiten kombiniert werden, erprobte Einheiten (inklusive Material) können einfach heruntergeladen werden. Parallel laden wir alle Nutzer ein, selbst Fragensammler*in zu werden und eigene Erfahrungen auf der Plattform zu teilen. Um die Entstehung und die daran Beteiligten (also auch alle Absolventen, die uns ihre Praxiseinheiten überlassen haben) zu würdigen und zu feiern, möchten wir „Fragensammler“ am Welttag der Philosophie 2019 offiziell online gehen lassen.

Alle Interessierten, Philosophierenden, Fragensammler*innen sind herzlich zur Vorstellung
eingeladen. Werte.Dialog.Integration ist ein Projekt des Wertebündnis Bayern; unterstützt
vom Bayerischen Ministerium des Inneren, für Sport und Integration.

20:00-23:00 Uhr: WerteDialog|Zukunft: Welche Nachhaltigkeit braucht unsere Welt?- Ein philosophischer Abend mit Gästen
Referentinnen: Julia Blum-Linke, Dr. Theres Lehn

Nachhaltig handeln, nachhaltig denken, nachhaltig konsumieren … Füttern wir eine Gebetsmühle? Wann kommen wir ins Handeln, welche Hürden von Schuld und Gewissen müssen wir überwinden? Oder handeln wir schon längst? Wir haben drei Gäste eingeladen, die sich mit uns in den philosophischen Dialog begeben über nachhaltige Erfahrungen und Werte , über Reden und Handeln und darüber, wann Nachhaltigkeit zum Lebensprinzip wird: Uwe Lübbermann (Unternehmer, premium-cola), Robert J. Kozljanic (Philosoph und Verleger, Albunea-Verlag) und Etienne Denk (Fridays for Future, Gruppe München). Über Allem und vor Allem steht die große, einfache Frage: Wie wollen wir leben? Wenn wir unseren Standpunkt kennen, können wir entsprechend handeln. Im Anschluss an das philosophische Nachtgespräch können sich die Teilnehmer*innen in DenkWertStätten mit den Gästen persönlich austauschen und sich gegenseitig Tipps für die Praxis des Lebens geben…

Der WerteDialog|Zukunft ist ein Projekt des Wertebündnis Bayern.

 

Zukunft braucht UNS! – Eine Tagung von SchuleWirtschaft Bayern

Amberg, am 11. und 12. Oktober 2019… „Zukunft braucht UNS!“, unter diesem Motto stand die bayernweite Tagung des Arbeitskreises SchuleWirtschaft, die vergangenes Wochenende in Amberg stattfand. Lehrkräfte, Vertreter*innen der bayrischen Wirtschaft (und Wir) beschäftigten uns mit Fragen rund um die Gestaltung von Bildung und Zukunft. Was kann heute getan werden, um das Morgen nachhaltig zu gestalten? Wie ticken eigentlich die Generationen X, Y und Z? Wir leben in einer Welt, die sich immer schneller und vielfältiger entwickelt – was braucht dabei Generation Z, um gute Entscheidungen für ihren Lebensweg treffen zu können? Muss seitens der Arbeitswelt und der Schule ein Umdenken stattfinden, um den Anforderungen gerecht zu werden?

Auch die Akademie war an beiden Tagen der Tagung vertreten – am Freitag gestalteten wir acht Workshops und philosophierten mit den insgesamt 96 Teilnehmenden über Nachhaltigkeit, Verantwortung und Werte. Am Samstag stellten wir uns mit drei verschiedenen Projekten rund um die Workshop-Themen vor. Aber was hat Philosophieren eigentlich mit der Gestaltung unserer Zukunft zu tun?

Philosophieren bedeutet gemeinsam mit Anderen nach Antworten auf Fragen zu suchen, die jeden gleichermaßen betreffen – es bedeutet im Gespräch Gedanken, Standpunkte und Erfahrungen auszutauschen und neue Zusammenhänge zu entdecken. Dadurch können wir unsere Zukunft reflektierter und bewusster gestalten. Und genau das steht auch in drei unserer laufenden Projekte im Mittelpunkt, welche wir den Besucher*innen vorstellten.

Die Philosophische Berufsorientierung begleitet Jugendliche bei der Berufswahl und fragt z.B. was eine gute Entscheidung ausmacht oder wie man mit Konflikten und Enttäuschungen umgeht.
Im Projekt JungeVor!Denker philosophieren wir mit Kindern und Jugendlichen über Themen von Nachhaltigkeit und widmen uns der Frage, wie wir leben wollen.
Das Projekt „Zukunft im Dialog – Werte für ein neues WIR in der Gesellschaft!“ richtet sich an die Aufnahmegesellschaft und hinterfragt, wie diese mit neuen Herausforderungen umgehen kann und wie diese Entwicklungen mit bestehenden Werten in Einklang gebracht werden können.

 

 

Zukunft braucht ein Nachdenken und ein Hinterfragen, braucht Raum für Dialog und Raum um hinzuhören.

Zukunft braucht Philosophieren.

Zukunft braucht UNS!

 

Zukunft im Dialog – Werte für ein neues WIR!

Wann warst du das letzte Mal wirklich aufnahmefähig?

Was für eine Frage…! Sind wir nicht ständig aufnahmefähig? Oder vielmehr – müssen wir nicht ständig aufnahmefähig sein? Über diese Frage haben wir im Kontext unseres neuen EU-geförderten Projekts mit Projektpartnern philosophiert. Das Projekt „Zukunft im Dialog – Werte für ein neues WIR in der Gesellschaft“ wird vom AMIF – dem Asyl-, Migrations- und Integrationsfond – finanziert und wendet sich „ausdrücklich an die Aufnahmegesellschaft“. Am 19. September war Kickoff für Projektpartner und solche, die es werden wollen. Das philosophische Gespräch zum Einstieg ergab, dass viele dann aufnahmefähig sind, wenn sie etwas besonderes anstreben, aber auch, dass Aufnahmefähigkeit Kraft gibt, um kreativ tätig zu werden oder um etwas geben zu können. Interessant, oder?

Doch was ist eigentlich eine „Aufnahmegesellschaft“? Was kann und muss jeder Einzelne von uns geben, damit überhaupt eine Gemeinschaft entsteht? Uns ging es dabei auch um die Frage, wie wir jetzt und in Zukunft leben wollen, sodass sich eine Gesellschaft mit Raum für Neues und Neugierde aufeinander bildet – also eine echte „Aufnahmegesellschaft“?

Und genau diesen Fragen widmet sich auch unser neues Projekt, denn die humanitäre Krise der weltweiten Flüchtlingsbewegungen, die auch 2015 Deutschland erreicht hat, hat gezeigt, wie schwierig es ist, ein gesellschaftliches Wertesystem mit der gesellschaftlichen Realität in Einklang zu bringen. Zwar wurde durch die amtliche Statistik Ende 2017 ein Rückgang des Zuwachses an Geflüchteten verzeichnet, allerdings nahm damit auch das notwendige ehrenamtliche Engagement vieler BürgerInnen ab. Für eine gelingende Integration, muss aber das Bewusstsein erwachsen, dass eine solche Situation jederzeit wieder entstehen kann sowie dass die Konflikte beim Thema Migration und Integration ein Symptom einer größeren Herausforderung sind, die auch Themen wie den Klimawandel oder die Realität in einer globalen, technisierten, jungen Generation betrifft: Kurzum geht es uns um die Frage, ob und wie Gesellschaft in der Lage ist, neue gesellschaftliche Entwicklungen aufzunehmen und sie auf kreative Art und Weise mit bestehenden Werten in Einklang zu bringen.

Welche Wirk- und Spielräume bietet unser Projekt, welche Möglichkeiten sind damit verbunden? Im Kickoff stellten wir unseren Partner unsere „Herzensthemen“ vor, um ihren Appetit für die Zusammenarbeit anzuregen. Da wir das Projekt bewusst offen gestaltet haben und wir durch das Projekt ein natürliches Miteinander fördern wollen, konnten unsere Partner ihre eigenen Ideen im Rahmen einer „Küche der Möglichkeiten“ einbringen.

Schließlich kam eine riesige „Tafel“ voller Zutaten und Gerichten zusammen – eine Fülle an Ideen und Vorschlägen zur Zusammenarbeit im Projekt. Wir möchten uns herzlichst bei allen bedanken, die gekommen sind, um mit uns an der Entwicklung des Projekts zu arbeiten. Gemeinsam konnten wir ganz neue Räume und Möglichkeiten der Partnerschaft und Kooperation durch eine freiwillige und unbeschwerte Begegnung erschließen. Danke an den Montessori Landesverband Bayern, das JFF Institut für Medienpädagogik, das Papiertheater Nürnberg, Rock your life!, den Nachbarschaftstreff Hirschgarten, rehab republic e.V., die bfz, das Referat für Bildung und Sport der Stadt München sowie an IN VIA Augsburg.

Weitere Informationen zum Projekt findet ihr in Kürze auf unserer Projekt-Website sowie in dem dazugehörigen Blog. Bei Interesse an einer Beteiligung/Partnerschaft kann man sich an Julia Blum-Linke oder Sinan von Stietencron wenden.

 

Kontakt:

Julia Blum-Linke

Mail: julia.blum@philosophische-bildung.de

Fon: 089 – 44108 523

 

Sinan von Stietencron

Mail: sinan.vonstietencron@philosophische-bildung.de

Fon: 089 – 44108 523

Neue Reihe mit der Stiftung Weltethos

Im Juli startet unsere staatlich geförderte Zusatzausbildung „Philosophieren über Werte im interkulturellen Dialog“. Für diese neue Werte-Reihe haben wir uns mit der Stiftung Weltethos zusammengetan und eine Ausbildung entwickelt für alle, die im interkulturellen Kontext arbeiten. Die zentralen Fragen haben wir gemeinsam mit der Stiftung noch einmal genauer angeschaut: Woher kommen unsere Werte? Was eint und was trennt Menschen? Unter welchen Bedingungen entwickeln sich Freiräume in Gemeinschaften? In den vier Modulen geht es aber nicht nur um gesellschaftliche Wertesysteme. Vor allem wird uns die Frage beschäftigen: Was ist für mich wichtig und wertvoll? Und: Was setze ich tatsächlich um, wovon rede und träume ich nur?

Die Zusatzausbildung startet

Gefördert wird die Reihe vom Bayerischen Ministerium des Innern, für Sport und Integration sowie von der Stiftung Wertebündnis Bayern. Hier finden Sie alle Daten und Informationen in der Übersicht.

Werte.Dialog.Integration – ein Blick hinter die Kulissen

Wie kommt man in den Dialog mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und wie fördert man das Verständnis füreinander? Bereits im dritten Jahr gehen wir mit dem Projekt Werte.Dialog.Integration dieser Frage nach. Im Laufe des Projekts haben wir schon mit ganz unterschiedlichen Menschen über Heimat, Leben, Werte philosophiert.

Ein paar Beispiele: die Frage „Was ist wirklich wichtig im Leben?“ beginnt bei der Betrachtung der eigenen Werte. Sie eröffnet aber ein Feld, das sich zwischen Familie, Mut, Vertrauen, Freiheit, Geld, Arbeit aufspannt. „Was ist ein Wert? Und sind Werte verhandelbar?“ lässt eine Überprüfung des eigenen Standpunkts zu: Wovon spreche ich, wenn ich von Werten rede? Verstehe ich, was mein Gegenüber meint? Bezogen auf die Zukunft stellt sich die Frage „Wie will ich, wie wollen wir leben?“ als große Herausforderung dar: Finden wir eine gemeinsame Richtung – einen „Kanon der Werte“ – der mit uns wächst und an dem wir uns orientieren können? Und worum lohnt es sich, zu ringen?

Die Zusatzausbildung „Philosophieren über Werte im interkulturellen Dialog“ greift diese Erfahrungen auf und beantwortet die Frage: Wie moderiere ich ein philosophisches Gespräch, in dem sich unterschiedliche Wertesysteme begegnen?  Das Besondere an den WerteDialogen: Auch wenn vehement argumentiert wird, geht es weniger um die Verteidigung einer Ansicht, als um das Verstehen. Die Sicht geht weg vom Ich und eröffnet Raum für die Frage: Wie genau und warum denkt und fühlt der andere so? Der WerteDialog ist ein Ort der Begegnung von Menschen unterschiedlicher Herkunft, verschiedener Generationen oder mit entgegengesetzten Standpunkten. Als Kulturtechnik greift er daher überall dort, wo Menschen ernsthaft um ein Miteinander ringen.

 

New Work, Stress und die Frage: Was tue ich hier eigentlich!?

Der erste WerteDialog.Zukunft hat über 25 Menschen aus dem Wertebündnis-Kontext und darüber hinaus zu einem gemeinsamen philosophischen Abend zusammengeführt. Thema des ersten WerteDialog.Zukunft: „New Work und Stressmanagement“. Den Impuls für den gemeinsamen WerteDialog gab Silke Wolf mit ihrem Kurzvortrag „Ménage-à-trois: Wie der Bestseller ‚Eine kurze Geschichte der Menschheit‘, New Work und Agilität zueinander stehen“. Wolf, die Mathematik studiert und viele Jahre als IT-Consultant tätig war, arbeitet heute als Coach und Beraterin u.a. für Menschen, die sich nach Burnout-Phasen neu orientieren.

Sinnsuche gegen Burnout

Kern des Vortrags war die Vorstellung des NLP-Modells, also der hierarchisch gegliederten Denk-Ebenen nach Robert Dilts, die sich wechselseitig beeinflussen, bspw.: Umwelt, Verhalten, Fähigkeiten, Identität, Zugehörigkeit, Spiritualität (die Frage nach dem Sinn). In Bezug auf die in der Welt der New Work geforderte stete Beweglichkeit und Anpassungsfähigkeit („agility“) und die damit einhergehende Überforderung vieler Menschen, schlug Wolf vor, Dilts‘ Pyramide umzudrehen: Die erste Frage, die man stellen sollte, sei die Frage nach dem Sinn! Sie erklärte, dass Menschen, die in einen Burnout geraten, nicht selten zuletzt über den Sinn ihrer Arbeit nachdenken. Irgendwann aber käme die Frage auf: „Was tue ich hier eigentlich?!“ – eine Tatsache, die das innere Ausbrennen befeuern und zum persönlichen Zusammenbruch führen könne. Insbesondere dann, wenn es um Veränderungsprozesse in der Arbeitswelt gehe und „agility“ gefordert sei, sei es hilfreich, beim Sinn zu beginnen. Erst dann solle man z.B. nach den persönlichen Fähigkeiten oder dem Arbeitswelt-Kontext fragen. Anstelle eines reaktiven Verhaltens sei in Zeiten der Veränderung also ein proaktives Agieren gefragt. Dazu gehörten „Veränderungskompetenzen“, die u.a. die Bereitschaft zur Mitgestaltung und die Lust am Umdenken voraussetzen. In diesem Zusammenhang fiel der Begriff eines „agilen“, also beweglichen und veränderbaren, Wertesystems. Bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern provozierte dieser Begriff die Frage, ob denn ein solches erstrebenswert sei. Dieser Fragestellung wurde im philosophischen Wertedialog nachgegangen.

Ist ein „agiles“ Wertesystem erstrebenswert?

Das Wort „agil“ stammt aus der Programmier-Welt. Es beschreibt die Anpassungsfähigkeit von Systemen, die deren Überleben sichert. Im normalen Sprachgebrauch beschreibt es jemanden, der trotz hohen Alters noch beweglich ist. Aber: Gibt es ein agiles Wertesystem? Oder ist das ein Widerspruch in sich? Und wenn ja, ist dieses wirklich erstrebenswert?

Weitere Fragestellungen, die aus dem Publikum in Reaktion auf Wolfs Impulsvortrag kamen:

Inwieweit sind Menschen selbstbestimmt?

Wieso machen Veränderungen Angst?

Brauchen wir für agiles Handeln nicht eine andere Fehlerkultur?

Ist der Mensch ein Algorithmus?

Muss ich mich ändern oder bin ich ok und die Umwelt muss sich ändern?

Was machen wir, wenn es nichts mehr zu optimieren gibt?

Der Abend fand einen bewegten Ausklang am Buffett. An den vielen Gesprächen, die sich hier entspannen, war zu spüren, dass das Thema und der Vortrag von Silke Wolf viel Stoff zum Austausch bot.

 

Der nächste WerteDialog.Zukunft findet nach den Sommerferien statt. Die Wertebündnispartner sind eingeladen, ihre Anregungen oder Vorschläge für Impulsgeber (möglichst bis Ende Juni) an stiftung@wertebuendnis-bayern.de zu schicken.

Die nächste Zusatzausbildung „Philosophieren über Werte im interkulturellen Dialog“ startet am 11. und 12. Juli in Bamberg.

Junge Vor!Denker – Wiedersehen nach 8 Jahren

Ein glitzerndes Puppenkleid, Geld, Blumen, eine versteinerte Muschel – in der Mitte des Sitzkreises liegt eine bunte Auswahl an Gegenständen. Sieben Kinder zwischen 5 und 6 Jahren sind zusammengekommen, um zu philosophieren. Das Thema der Runde: Was bin ich wert?

Rückblick 2011: Das Projekt Junge Vor!Denker

Ich bin im Kindergarten Dorfen, nahe des Starnberger Sees. Das letzte Mal war ich vor ziemlich genau 8 Jahren hier, am 27. und 28. Mai 2011. Damals haben Evi Witt-Kruse und ich hier eine Fortbildung durchgeführt: Das letzte Modul des Pilotprojektes „Junge Vor!Denker! – Philosophieren über Nachhaltigkeit“. Zu Beginn des Projekts wusste eigentlich noch niemand so genau wie das geht, Philosophieren über Nachhaltigkeit. Im Raum stand die Frage, wie man die philosophische Haltung des „Ich weiß, dass ich nicht weiß“ mit dem notwendigen Wissen, das eine Bildung für nachhaltige Entwicklung beinhaltet, zusammenbringen kann. Und wie wir den Teilnehmern der Grundschule Icking und der Kindergärten Icking und Dorfen Wissen über Nachhaltigkeit vermitteln können, ohne selbst ins Dozieren zu kommen und den Zeigefinger zu erheben.

Zusammen mit den Erzieherinnen und Lehrkräften des Pilotprojekts haben wir jedoch einen Weg gefunden. Wir haben uns überlegt, welche Rolle die Haltungen des Philosophierens wie Achtsamkeit, Neugier, Offenheit für die Vermittlung von Wissen spielen. Wir haben weiterführende philosophische Fragen formuliert, die es ermöglichen, dieses Wissen im philosophischen Gespräch zu reflektieren. Und wir haben gemeinsam Ideen entwickelt, wie die Erkenntnisse der Kinder ins Handeln übersetzt werden können. Auf diesen drei Säulen – Wissen über Nachhaltigkeit, Reflexion im Gespräch, Handeln – ruht die Zusatzausbildung Junge Vor!Denker auch heute noch. Immer verknüpft mit der Hoffnung, dass daraus eine Haltung entsteht, die Kindern eine Grundlage bietet für nachhaltiges Handeln. In ihrem Alltag heute, aber auch für ihr späteres Leben.

Philosophieren heißt, von Herzen zu sprechen

Ulrike Schwarz, die Leitung des Kindergarten Dorfen und ihre Kollegin, Jana Dyck, haben damals am Pilotprojekt Junge Vor!Denker teilgenommen. Und sie sind dabei geblieben. Für Ulrike sind die philosophischen Gespräche mit den Kindern nicht mehr wegzudenken. Sie schätzt am Philosophieren vor allem, das es die Gemeinschaft stärkt und den Kindern hilft, in Beziehung zu bleiben: „Das Philosophieren gibt den Kindern die Möglichkeit, von Herzen zu sprechen. Sie lernen, auch vor anderen Kindern zu sagen: So geht es mir. Das denke ich.“

Ich bin heute eingeladen und freue mich zu sehen, was sich in den letzten 8 Jahren getan hat. Zum Einstieg in die philosophische Runde dürfen sich die Kinder aus dem Kreis einen Gegenstand nehmen, den sie besonders wertvoll finden. John nimmt sich die Geldscheine. „Warum ist das Geld für dich besonders wertvoll?“ will Ulrike, die das Gespräch leitet, wissen. „Damit kann man die Lebensmittel kaufen!“. Julia hat sich Blumen genommen. „Blumen sind wertvoll, weil sie schön sind. Sie geben Luft. Und die Bienen brauchen sie.“ So geht es reihum. Ein Mädchen nimmt sich einen Stern, weil Sterne so schön glitzern, ein Junge ist fasziniert von einer versteinerten Meeresschnecke: „Die ist so schön glatt.“

Glitzerkleid oder Blume – Was ist wertvoll?

„Was bin ich wert?“ fragt Ulrike schließlich in die Runde und legt eine Hand auf sich. „Was seid ihr wert?“ Die Kinder überlegen eine Weile. Etwas zu sagen traut sich noch niemand. Ulrike probiert es nochmal mit einer anderen Frage: „Was seid ihr wert für eure Mama und euren Papa?“ „Das Wichtigste!“, ruft John sofort und andere Kinder nicken. „Was ist denn wertvoll an dir?“, will Ulrike weiter wissen. „Was steckt in dir?“

Julia: „Mein Herz.“

Kannst du das noch genauer sagen, was du damit meinst? Vielleicht kann dir auch jemand helfen?
Luis: „Ja, die Freundschaft!“
Emelie: „Ich weiß noch was. Die Liebe.“

„Die Liebe macht einen wertvoll. Wenn man weiß, man wird geliebt?“
Ja.

Kasper, du hast doch Kälber. Bist du für deine Kälber auch wertvoll?
Kasper: Ja.

Warum?
Kasper: Die geben Milch. Ich gebe ihnen Futter.

Wie fühlt sich das an, wenn ich merke, ich bin etwas besonderes, ich bin wichtig für die Mama, für die Freundin, für die Tiere?
Julia: Im Herz. Das fühlt sich gut an.
John: Das Herz ist wichtig zum Leben.

Was ist das denn, wertvoll sein?
Luis: Ich finde die Tiere wertvoll.
Emelie: Die Schätze
Julia: Die Sterne für mich, weil die so schön funkeln und der Mond hilft mit.

Meinst du, dass die Natur noch wertvoller ist als die Schätze? Oder auch wertvoll?
Luis: Die Natur. Und die Bäume. Und alles, was es auf der Welt gibt.
Julia: Ich finde die Familie wertvoll.
Emelie: Ich finde wichtig, dass alle glücklich sind.
Kasper: Ich finde Fernseher und Handy nicht so wichtig.
Julia: Ich finds auch wertvoll, dass man Freunde hat und viel Glück.

So beginnt das Gespräch zur Frage: „Was bin ich wert?“. Ulrike fordert immer wieder Begründungen ein, will etwas genauer wissen, fragt nach anderen Meinungen. Was sie nicht macht, ist zu werten. Am Ende des Gespräches soll nicht stehen, dass die Natur wertvoller ist als Schmuck. Oder die Familie ein höheres Gut als ein großes Auto. Auch die Meinung, dass das Glitzerkleid am wertvollsten ist, einfach, weil es so schön ist, darf stehenbleiben. Ulrike ist genau das wichtig: „Beim Philosophieren spüren die Kinder: ich bin selbstwirksam und meine Meinung wird respektiert. Es gibt Kinder, die sind dann der gleichen Meinung, andere hören nur zu. Wieder andere sind dagegen und lernen: ich kann das aushalten, denn es ist wichtig zu sagen was aus dem Herzen kommt.“ Beim Philosophieren, so Ulrike, lernen die Kinder über ihre Gefühle nachzudenken. Und eigene Lösungen zu finden. „So eine Gemeinschaft macht stark für die Schule.“

Die Jungen Vor!Denker heute

Seit den Anfängen des Projektes hat sich viel getan bei den Jungen Vor!Denkern: Im letzten Jahr wurde das Projekt mit dem Qualitätssiegel Umweltbildung.Bayern ausgezeichnet. Die Fortbildungsreihe wird regelmäßig in München und in Niederbayern durchgeführt, hier durch unseren Kooperationspartner, die Hans Lindner Stiftung. Momentan läuft außerdem eine Reihe im Nationalpark Schwarzwald und im Naturerlebniszentrum Burg Schwaneck, die vom Kreisjugendring München-Land und dem Ökoprojekt MobilSpiel e.V. in Kooperation mit uns angeboten wird.

Die nächste Zusatzausbildung „Philosophieren über Zukunftsfragen und Themen der Nachhaltigkeit“ startet am 9. und 10. November bei uns in München.