Was macht mich einzigartig?

Philosophieren in der OGTS

In der OGTS haben wir erneut gemeinsam mit Silvija philosophiert.

Dieses Mal drehte sich alles um das spannende Thema „Ich bin einzigartig“. In beiden Gruppen schauten die Kinder aufmerksam ein passendes Video an und waren von Anfang an interessiert und begeistert dabei.

Im anschließenden Gespräch fassten die Kinder zusammen, was sie gesehen hatten. Schnell wurde deutlich, dass es um die Einzigartigkeit jedes Menschen ging. Aussagen wie „Jeder kann etwas besonders gut“ oder „Jeder ist auf seine Weise unersetzbar“ wurden von den Kindern selbst eingebracht. Gemeinsam überlegten wir außerdem, welche besonderen Eigenschaften andere Kinder haben und was jeden Einzelnen ausmacht.

Besonders schön war unsere Gesprächsrunde mit der Gesprächsmaus: Jedes Kind durfte zu jedem anderen Kind etwas Positives sagen. Die Kinder hörten aufmerksam zu, machten engagiert mit und es war ihnen wichtig, dass wirklich jeder etwas Wertschätzendes über sich hören durfte. Obwohl die Runde viel Zeit in Anspruch nahm, wollten die Kinder sie unbedingt so durchführen. Man merkte deutlich, wie gut ihnen diese Form des Austauschs tat.

Die Kinder genießen es sehr, über ihre eigenen Stärken zu sprechen und gleichzeitig zu hören, was andere an ihnen schätzen. Diese Gespräche kommen bei ihnen sehr gut an und viele Gedanken nehmen sie mit nach Hause.

Besonders berührend waren Aussagen wie:
„Meine Frisur macht mich einzigartig.“
„Mein Fingerabdruck ist nur meiner.“
„Meine Familie gehört nur zu mir.“
„Mich gibt es nur einmal.“
Oder auch: „Besonders ist, dass ich so bin, wie ich bin.“

Zum Abschluss malten die Kinder Bilder von sich selbst und davon, wie sie sich sehen. Dabei hatten sie viel Freude und konnten ihre Gedanken kreativ ausdrücken.

Kinder sitzen auf dem Boden mit Stiften und Papier und malen.

Theaterstück in der OGTS Emmering

Ein aufregender Abschluss voller Fragen, Mut und Applaus

Am 21. April 2026 war es endlich so weit: Unsere Abschlussfeier im Rahmen des Projekts ChancenGleich fand in der OGTS Emmering statt – und dieser Tag war für uns alle etwas ganz Besonderes!

In den vergangenen Monaten haben wir gemeinsam mit den Kindern der Himbeer-Gruppe philosophiert, diskutiert, gelacht und nachgedacht. Dabei beschäftigten uns viele spannende Fragen:

  • Was ist ein guter Freund?
  • Wie wirken Worte auf uns?
  • Wie fühlt es sich an, Freude zu teilen?
  • Haben Tiere Rechte?
  • Warum feiern wir Feste?

Mit großer Neugier gingen die Kinder diesen Fragen auf den Grund. Gemeinsam lasen wir Geschichten, tauschten Meinungen aus und hörten einander aufmerksam zu. Besonders begeistert hat uns das Bilderbuch „Ich bin der Stärkste im ganzen Land“ von Mario Ramos (Beltz Verlag).

Darin zieht ein selbstbewusster Wolf durch den Wald und fragt alle Tiere und Märchenwesen, denen er begegnet:

„Wer ist der Stärkste im ganzen Land?“

Und tatsächlich antworten ihm fast alle volle Angst oder Respekt:

„Ihr seid der Stärkste im ganzen Land, Herr Wolf!“

Doch dann begegnet der Wolf dem kleinen Kröterich – und plötzlich wird alles anders …

Gemeinsam mit den Kindern stellten wir uns viele spannende Fragen: Ist der Wolf wirklich stark? Bedeutet Stärke, dass andere Angst vor einem haben? Warum sagen die Tiere, dass der Wolf der Stärkste ist? Wollen sie ihm gefallen – oder fürchten sie sich vor ihm? Und was bedeutet „wahre Stärke“ eigentlich?

Diese Gespräche waren unglaublich spannend und berührend. Die Kinder hatten viele verschiedene Gedanken – und genau daraus entstand schließlich eine wunderbare Idee: Warum nicht ein Theaterstück daraus machen?

Gesagt, getan!

Nach unseren gemeinsamen Philosophieeinheiten im Januar und Februar beschlossen wir, das Märchen als Theaterstück einzuüben und in der OGTS aufzuführen. Die Vorbereitungen begannen – und die Aufregung stieg von Woche zu Woche! Die Kinder lernten fleißig ihre Rollen auswendig. Besonders die Rolle des Wolfs hatte es in sich: ganz schön viel Text! Aber mit Mut, Teamgeist und viel Übung haben die Kinder es großartig gemeistert.

Ein riesiges Dankeschön geht auch an Anja, die uns tatkräftig unterstützt hat. Sie hat uns geholfen, wunderschöne Masken zu basteln und sie hat sogar die Mützchen für die sieben Zwerge genäht. Mit viel Kreativität und Herz entstand so eine zauberhafte Theaterwelt.

Dann kam endlich der große Moment: die Aufführung!

Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie einige Lehrkräfte waren gekommen, um das Theaterstück anzuschauen. Die Kinder waren natürlich sehr aufgeregt – doch sobald das Stück begann, spielten sie mit voller Begeisterung und ganz viel Mut.

Und am Ende?

Großer, verdienter Applaus für alle! Zum Abschluss wurden die Teilnahmebestätigungen überreicht und gemeinsam Muffins gegessen. Es gab viele stolze Gesichter und sogar Glückstränen.Dieser Tag hat uns wieder gezeigt, wie wichtig es ist, Kindern Raum zum Nachdenken, Fragenstellen und gemeinsamen Gestalten zu geben.

Und jetzt seid ihr dran:

Was bedeutet „wahre Stärke“ für euch?

Liebe Grüße

Eure Ella

Jonglieren mit Fragen

Vertiefung nach der Basisausbildung

„Philosophy is a way of thinking about certain subjects such as ethics, thought, existence, time, meaning and value. … The aim is to deepen understanding. The hope is that by doing philosophy we learn to think better, to act more wisely, and thereby help to improve the quality of all our lives.“ The Philosophy Foundation

„To deepen understanding.“ Also das Verstehen zu vertiefen. Genau das ist im Seminar „Jonglieren mit Fragen“ passiert. Theres und Daniel haben uns entführt in eine Tiefsee des Denkens. Wie geht Philosophieren? Was sind gute Fragen, also Fragen, die dahin führen, wo ich etwas Neues lernen oder zutage fördern kann? 

The Philosophy Foundation beschreibt Philosophieren mit 4 Worten: responsiveness, reflection, reason und re-evaluation. Dabei liegt der Fokus im Denken eher auf der Frage „Ergibt es Sinn?“ als auf der Frage „Ist es wahr?“. Erstere zielt auf die Logik und Bedeutung, letztere eher auf die Fakten. Eine gute Frage, so die Foundation, berührt immer eine philosophische Disziplin wie die Metaphysik oder Erkenntnistheorie, und sie darf grundsätzlich den Zustand der Aporie, also der gesunden Verwirrung ermöglichen…

Der Einblick in den Ansatz der Londoner Kollegen und Kolleginnen ist hilfreich und unbedingt notwendig als ein Blick über den Tellerrand. Es gibt bezeichnende Unterschiede zur Akademie, die inspirierend sind, und auch Gemeinsamkeiten. Mit Sicherheit ist die Atmosphäre bei der Foundation britischer und kühler als im barocken Süden, wo, am Donnerstag, viel gelacht und gewärmt wurde. Aber die Intention ist die gleiche: das Denken aufschließen, besser verstehen, weiser handeln lernen und helfen, das Leben zu verbessern.

Spannend auch der Blick zum Landsmann Ekkehard Martens, der Philosophieren als erlernbare Kulturtechnik bezeichnet. Um mit Kindern zu philosophieren bzw. Kinder zum Philosophieren anzuregen, sollten im Gespräch fünf zentrale philosophische Disziplinen geübt werden: Phänomenologie, Analytik, Hermeneutik, Dialektik und Spekulation können dazu beitragen, das kritische und kreative Denken schon bei Kindern zu fördern. Sie werden, das dürfte euch bekannt vorkommen, durch bestimmte Fragestellungen erschlossen.

Wir würden übrigens noch die Ethik ergänzen, denn gerade für Jugendliche sind ethische Fragestellungen spannend und mit Fragen, Themen, Situationen aus ihrer Lebensrealität, dem Selbst- und Fremdbild verknüpft. Zudem lässt sich die Ethik gut aus den Perspektiven der fünf anderen Disziplinen reflektieren.

Neben der Funktion, philosophische Tätigkeiten zu provozieren, haben Fragen in Interview-Situationen andere Aufgaben, z.B. dem Strom des Erzählenden zu folgen und einzelne Stationen genau zu beleuchten (Was genau? Was dann?); verschiedene Reaktionsmöglichkeiten auf eine Situation zu ergründen (Was wäre wenn?); Gefühle, Gedanken, Erfahrungen einer Person zu erforschen (Wo fühlst du? Wann hast du erlebt?) usf.. Spannend war es, die Verknüpfung zu denken zwischen Interviewtechniken (angeregt durch die Bücher von Carmen Kindl-Beifuß) und dem vertiefenden Nachfragen beim Philosophieren. „Warum-Fragen verflüssigen“ ist auf jeden Fall bei vielen hängen geblieben. Anstatt „Warum hast du das getan?“ etwas neugieriger zu fragen: „Warum erschien dir in der Situation gerade das als der richtige Schritt?“

Fragen können wie Küsse schmecken. Und Philosophieren wie ein Abenteuer. Danke an alle! 

Unser Seminar “Jonglieren mit Fragen“ ist Pflichtseminar für alle Referent*innen der Akademie und richtet sich an alle Absolvent*innen der Basisausbildung.