Ein Eindruck aus dem Philosophischen Café –online–

Wie systemrelevant ist mein Beruf? Was macht das mit mir? Und wie kann die Gesellschaft nach Corona aussehen?

Gemeinsam mit anderen 16 Teilnehmer*innen ging die Moderatorin  Sandra Abele letztens im philosophischen Café „Philonline“ den beiden Begriffen Systemrelevanz und Werteorientierung  nach. Die philosophische Frage, über die schließlich gemeinsam nachgedacht wurde, lautete:  In welchem Verhältnis stehen die Begriffe Systemrelevanz und Werteorientierung?

Eingeleitet wurde das Gespräch mit einer kleinen Geschichte, gefolgt von einer kurzen Reflexion darüber, welche Werte die Cafébesucher*innen darin entdecken konnten (siehe Bild).

Das Gespräch untersuchte zunächst, was genau die Begriffe „Systemrelevanz“ und „Werteorientierung“ für die Einzelnen eigentlich bedeuten, um im Anschluss über deren Verhältnis zueinander nachzudenken. Dabei gab es u.a. die Überlegung, dass beide Begriffe sich auch gut in der Maslowschen Bedürfnispyramide abbilden. Die Basis, auf der die Pyramide steht, sind die Physiologischen Bedürfnisse. Diese sind auch bei den Begriffen der Systemrelevanz wieder zu finden. Vor allem die Systeme Gesundheit und Wirtschaft sind darin zu finden. Beide Bereiche/ Systeme bringen die Güter und Dienstleistungen hervor, die unser Überleben sichern und unseren Bedarf decken.

Der Begriff Systemrelevanz hat im Gespräch auch stark polarisiert, da er der Wirtschaft und dem Nützlichkeitsprinzip stark zugeordnet wurde. Verstärkt wurde die Polarisierung noch einmal durch die Skala auf der Folie (siehe Bild), auf der die Gäste angeleitet wurden, ihren eigenen Beruf nach der Definition, die ihnen die Moderatorin vorab gezeigt habe, zu verorten. Dadurch gewann das Gespräch noch einmal an Reibung. Gerade auch, weil eine Teilnehmer*in, die kürzlich in Rente gegangen ist, sich bei 0% verortet hat. Auf die Nachfrage, was das mit ihr macht, hat sich noch einmal ein vertieftes Gespräch aus einer anderen (Generations-) Perspektive ergeben. Gerade weil sie auch meinte, dass sie sich auch wochenlang zu Hause einschließen ließe, wenn es der Gesellschaft hilft.

Dann war auch die Dimension der Zeit ein wichtiger Faktor. Die systemrelevanten Bereiche beziehen sich eher auf die Perspektive im Hier und Jetzt. Was bzw. wen brauche ich jetzt akut in der Krise, damit der einzelne Mensch und die Gesellschaft überleben. Desto länger der zeitliche Verlauf ist, desto wichtiger ist die Orientierung auch an langfristigen Werten, wie z.B. Bildung, Kultur, Vernetzung der Welt… . Allerdings sind beide Begriffe Systemrelevanz und Werteorientierung nicht so klar zu trennen, denn auch in den systemrelevanten Bereichen liegen Werte der Gesellschaft zu Grunde. Deshalb hängen die Begriffe auch wieder eng zusammen und sind am Ende vielleicht zwei Seiten der gleichen Medaille. Näher eingegangen wurde in diesem Zusammenhang auf den obersten Wert, die Menschenwürde, die allem zu Grunde liegt.

Aussagen aus dem Gespräch:

„Auf Kulturveranstaltungen kann ich eine Weile verzichten, ohne dass ich einen großen Verlust spüre. Längerfristig sieht das schon wieder anders aus.“

„Ja, doch der Kulturkonsum hat sich jetzt schon verändert. Warum noch ins Kino gehen, wenn ich heute die aktuellen Filme online zu Hause streamen kann?“

„Als Lehrerin muss ich sagen, dass mein Beruf weniger systemrelevant ist, als andere Berufsbilder.“

„Schon jetzt sollten wir uns überlegen, ob wir nach der Corona Pandemie bessere Pferde vor unsere Gesellschaft spannen, um neue Formen des Zusammenlebens und Wirtschaftens zu entwickeln.“

„Zum Beispiel eine Gemeinwohlökonomie oder die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens sind gute Ideen.“