Der Inhalt des Wertereisekoffers: ein Wuschel, Infokarten, Stempel und Zettel.

Philosophieren als Haltung

Der Wertereisekoffer am Förderzentrum für geistige Entwicklung in Kempten

Am 22. Juli 2025 fand am Förderzentrum Tom-Mutters-Schule in Kempten eine Fortbildung im Rahmen des Projekts ChancenGleich statt. Kolleginnen und Kollegen erhielten unter der Leitung von Maria Mandl (Akademie für Philosophische Bildung und WerteDialog) eine praxisnahe Einführung in das Arbeiten mit dem Wertereisekoffer, einer Materialsammlung zur Wertebildung und philosophischen Gesprächsanregung in Schulen.

Nach einem kurzen Einstieg in die Methode des Philosophierens als offenes, dialogisches Bildungsprinzip ging es direkt ins praktische Erleben. Die Teilnehmenden tauchten gleich zu Beginn in eine philosophische Einheit ein. In einer persönlichen Fragerunde per Losverfahren setzten sie sich zunächst mit biografischen Fragen auseinander, die auf Anhieb nicht einfach zu beantworten sind wie:

„Welches Ereignis hat dich in deinem Leben erwachsen werden lassen?“ oder
„Welcher Fehler soll deinen Liebsten erspart bleiben – und warum?“

Diese Offenheit zeigte unmittelbar, wie bedeutsam ein geschützter Raum und verbindliche Gesprächsregeln für philosophische Gespräche sind. Und wie diese Haltung auch in der pädagogischen Praxis wirksam werden kann.

Toleranz: Duldung oder Akzeptanz?

Im thematischen Schwerpunkt des Workshops widmete sich das Kollegium der Frage:

„Was bedeutet wahre Toleranz?“

Im gemeinsamen Philosophieren reflektierten die Teilnehmenden den Begriff vielschichtig: auf privater, partnerschaftlicher, beruflicher, gesellschaftlicher und politischer Ebene. Sie brachten persönliche Erfahrungen ein und näherten sich dem Begriff aus unterschiedlichen Perspektiven. Dabei wurde deutlich, wie schwer sich Toleranz von Begriffen wie Akzeptanz, Duldung oder stiller Zustimmung abgrenzen lässt. Und wie sehr das Verständnis von Toleranz von der Beziehung zum Tolerierten abhängt.

Einigkeit herrschte darüber, dass die Auseinandersetzung mit Werten wie Toleranz sensibel macht für das Gegenüber. So bereitet sie auch auf viele Situationen im schulischen Alltag mit Kindern und Jugendlichen vor, in denen genau diese Haltung gefragt ist.

Im Anschluss stellte die Referentin den Wertereisekoffer vor: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erkundeten die Materialien und entwickelten gemeinsam erste Ideen, wie sich zentrale Werte in den Förderschulalltag auch im Bereich geistige Entwicklung bearbeiten lassen. Wichtig ist hier immer der Blick auf sprachreduzierte Zugänge, nonverbale Ausdrucksformen und lebensnahe Themen.

Philosophieren stärkt die Gemeinschaft

Der Workshop wurde nicht nur als fachlich bereichernd, sondern auch als stärkender Impuls für die Gemeinschaft in der Gruppe erlebt. In der gemeinsamen Reflexion über Werte, Beziehungen und pädagogisches Handeln wurde deutlich, wie viel Potenzial im Philosophieren auch im Kollegium steckt.

Wir danken der Tom-Mutters-Schule für ihre Offenheit, ihr Engagement und das Vertrauen, neue Wege im Denken gemeinsam zu erproben. Der Wertereisekoffer hat hier einen lebendigen Start gefunden mit vielen Impulsen, die Mut machen, Raum schaffen und Kinder wie Erwachsene einladen, über das nachzudenken, was wirklich zählt.

Autorin des Beitrags: Maria Mandl

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert