Mit Kindern philosophieren
Wenn Kinder über Frieden nachdenken
von Maria Mandl
Was ist eigentlich Frieden? Und kann man ihn gewinnen wie ein Spiel? Oder wächst er eher still, irgendwo zwischen zwei Menschen?
Diesen Fragen sind Kinder der Offenen Ganztagsschule Emmering gemeinsam mit Maria Mandl, Referentin der Akademie Philosophieren, im Rahmen des Projektes ChancenGleich- Gemeinsam Vielfalt gestalten nachgegangen. Und wie so oft, wenn Kinder philosophieren, wurde es schnell erstaunlich tief.
Kleine Fragen, große Gedanken
Die Kinder im Alter von sieben bis neun Jahren tauchten mit viel Offenheit in ihre eigenen Gedankenwelten ein. Sie erzählten von sich, von Freundschaften, von Streit und davon, was sie bewegt. Es wurde zugehört, nachgedacht, gelacht und manchmal auch ganz still. Zwischendurch rollten Bälle durch den Raum, denn eine kleine erlebnispädagogische Bewegungsübung half dabei, wieder bei sich und in der Gruppe anzukommen. Denn auch das gehört zum Philosophieren dazu: innehalten, wahrnehmen, weitermachen.
Frieden entdecken
Der Einstieg in das Thema Frieden begann mit einer Bildergeschichte im Kamishibai. Bild für Bild entstanden kleine Szenen:
Menschen, die einander helfen. Tiere, die friedlich nebeneinander leben. Momente, in denen man spüren konnte, wie ruhig und zufrieden jemand gerade ist. Und plötzlich fiel es auf. Auf jeder Seite war sie da. Eine kleine weiße Taube. Still und fast unbemerkt begleitete sie die Geschichte und wurde schließlich selbst zum Gesprächsanlass. Ein Symbol, das mehr sagt als viele Worte.
Fragen, die bleiben
Die Kinder entwickelten ihre ganz eigenen Fragen:
Wie gewinnt man Frieden? Wie funktioniert Frieden? Wie kann ich mit mir selbst friedlich sein? Wie kann man einen Streit mit Frieden klären? Warum gibt es überhaupt Frieden? Es waren Fragen, die nicht beantwortet werden mussten. Sondern Fragen, die Raum öffneten.
Ein Stück Frieden zum Mitnehmen
Zum Abschluss durfte jedes Kind seine eigene Friedenstaube aus Salzteig gestalten. Mit viel Hingabe, kleinen Details und großer Sorgfalt entstanden ganz individuelle Werke. Und auch wenn kein Olivenzweig zur Hand war, in Emmering gibt es eine eigene Lösung: duftende Kiefernzweige vom Pausenhof der Grundschule. Vielleicht passt das sogar besser. Ein Frieden, der aus der eigenen Umgebung wächst.
Kinderstimmen aus den unterschiedlichen Einheiten, die berühren
Und mittendrin diese Sätze, die bleiben:
Wer bin ich?
„Ich bin ein Mensch. Und dann kann ich noch Fußball spielen und ich bin Fan von Ronaldo.“
„Ich kann total gut tanzen und bin kreativ. Manchmal kann ich auch zickig sein, zum Beispiel dann, wenn mich mein kleiner Bruder ärgert.“2
Gibt es jemanden, in den du dich gerne verwandeln würdest?
„Wenn ich mich verwandeln könnte, dann wäre ich gerne Johanna. Sie ist voll schlau und hat immer gute Noten.“
„Ich würde mich in einen Angler oder einen Profi Zocker verwandeln.“
Wenn du dir wünschen könntest, an einem anderen Ort zu leben, wo wäre das?
„Ich würde gerne in Leogang leben. Das ist in Österreich. Da wohnt die Freundin von meiner Mama. Im Winter fällt da immer ganz viel Schnee und die Pferde laufen auf der Wiese rum.“
„Ich bin in Odessa geboren und da würde ich gerne wieder leben.“
„Meine große Schwester ist in Syrien und ich würde gerne wieder bei ihr leben.“
„Ich möchte einfach in Emmering leben, wenn ich mir etwas wünschen könnte. Außer vielleicht ein bisschen näher an meinen Freunden, damit wir uns schneller treffen können.“
Was ist für dich ein Held oder eine Heldin?
„Meine Mama ist eine Heldin, weil sie mich zur Welt gebracht hat.“
„Für mich ist mein Freund ein Held, weil er mir bei einem Streit geholfen hat.“
Was ist Frieden?
„Friedlich fühle ich mich, wenn ich in den Arm genommen werde.
„Für mich ist Streit, wenn man sich schlägt.“
„Ich gehe dann weg, wenn es Streit gibt.“
„Bei Streit fühle ich mich nicht glücklich und irgendwie schlecht.“
So einfach. So klar. So wahr. Vielleicht beginnt Frieden genau hier. Im Zuhören. Im Ernstnehmen. Und in den Gedanken von Kindern.












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