Ein Artikel über Umweltbildung und Philosophieren

Unsere jahrelangen Begleiter Julia Blum-Linke und Sinan von Stietencron beschreiben in einer Ausgabe von ökopädNEWS die Wirkung des Philosophierens in der Bildung für nachhaltigen Entwicklung. Sie zeigen, warum Innehalten, Nachfragen und Weiterdenken so wertvoll ist und wie man es als ein pädagogisches Werkzeug nutzen kann.

Denn auch zu diesem Themenbereich gibt es spannende Fragen, über die philosophiert und nachgedacht werden kann: Wozu gibt es Grenzen? Was ist Müll? Wie kann ich Müll vermeiden? Wie entscheiden Erwachsene über eine Zukunft, in der sie gar nicht mehr leben werden? Warum müssen Menschen Geld bezahlen, um auf der Erde leben zu dürfen? Wie viel Land braucht ein einzelner Mensch im globalen Durchschnitt?

ANU – Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung

Die Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung (ANU) ist der bundesweite Zusammenschluss von Einrichtungen, Initiativen und engagierten Einzelpersonen, die sich für Umweltbildung starkmachen. Mehr als 1.000 Mitglieder arbeiten hier zusammen, um Naturerleben, Umweltbewusstsein und nachhaltiges Handeln in die Gesellschaft zu tragen.

Das Magazin ökopädNEWS beleuchtet aktuelle Entwicklungen in der Bildungslandschaft – von Umweltbildung über Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) bis hin zum Globalen Lernen. Dabei richtet sich der Blick auf alle Bildungsbereiche: von der frühen Kindheit über Schule und Hochschule bis hin zu außerschulischen Lernorten und informellen Angeboten. So bleibt die Community stets auf dem Laufenden, welche Trends, Debatten und politischen Entscheidungen die Bildungsarbeit rund um Nachhaltigkeit prägen.

 

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Mit Kindern philosophieren

Wenn Kinder über Frieden nachdenken

von Maria Mandl

Was ist eigentlich Frieden? Und kann man ihn gewinnen wie ein Spiel? Oder wächst er eher still, irgendwo zwischen zwei Menschen?

Diesen Fragen sind Kinder der Offenen Ganztagsschule Emmering gemeinsam mit Maria Mandl, Referentin der Akademie Philosophieren, im Rahmen des Projektes ChancenGleich- Gemeinsam Vielfalt gestalten nachgegangen. Und wie so oft, wenn Kinder philosophieren, wurde es schnell erstaunlich tief.

Kleine Fragen, große Gedanken

Die Kinder im Alter von sieben bis neun Jahren tauchten mit viel Offenheit in ihre eigenen Gedankenwelten ein. Sie erzählten von sich, von Freundschaften, von Streit und davon, was sie bewegt. Es wurde zugehört, nachgedacht, gelacht und manchmal auch ganz still. Zwischendurch rollten Bälle durch den Raum, denn eine kleine erlebnispädagogische Bewegungsübung half dabei, wieder bei sich und in der Gruppe anzukommen. Denn auch das gehört zum Philosophieren dazu: innehalten, wahrnehmen, weitermachen.

Frieden entdecken

Der Einstieg in das Thema Frieden begann mit einer Bildergeschichte im Kamishibai. Bild für Bild entstanden kleine Szenen:

Menschen, die einander helfen. Tiere, die friedlich nebeneinander leben. Momente, in denen man spüren konnte, wie ruhig und zufrieden jemand gerade ist. Und plötzlich fiel es auf. Auf jeder Seite war sie da. Eine kleine weiße Taube. Still und fast unbemerkt begleitete sie die Geschichte und wurde schließlich selbst zum Gesprächsanlass. Ein Symbol, das mehr sagt als viele Worte.

Fragen, die bleiben

Die Kinder entwickelten ihre ganz eigenen Fragen:

Wie gewinnt man Frieden? Wie funktioniert Frieden? Wie kann ich mit mir selbst friedlich sein? Wie kann man einen Streit mit Frieden klären? Warum gibt es überhaupt Frieden? Es waren Fragen, die nicht beantwortet werden mussten. Sondern Fragen, die Raum öffneten.

Ein Stück Frieden zum Mitnehmen

Zum Abschluss durfte jedes Kind seine eigene Friedenstaube aus Salzteig gestalten. Mit viel Hingabe, kleinen Details und großer Sorgfalt entstanden ganz individuelle Werke. Und auch wenn kein Olivenzweig zur Hand war, in Emmering gibt es eine eigene Lösung: duftende Kiefernzweige vom Pausenhof der Grundschule. Vielleicht passt das sogar besser. Ein Frieden, der aus der eigenen Umgebung wächst.

Kinderstimmen aus den unterschiedlichen Einheiten, die berühren

Und mittendrin diese Sätze, die bleiben:

Wer bin ich?

„Ich bin ein Mensch. Und dann kann ich noch Fußball spielen und ich bin Fan von Ronaldo.“

„Ich kann total gut tanzen und bin kreativ. Manchmal kann ich auch zickig sein, zum Beispiel dann, wenn mich mein kleiner Bruder ärgert.“2

Gibt es jemanden, in den du dich gerne verwandeln würdest?

„Wenn ich mich verwandeln könnte, dann wäre ich gerne Johanna. Sie ist voll schlau und hat immer gute Noten.“

„Ich würde mich in einen Angler oder einen Profi Zocker verwandeln.“

Wenn du dir wünschen könntest, an einem anderen Ort zu leben, wo wäre das?

„Ich würde gerne in Leogang leben. Das ist in Österreich. Da wohnt die Freundin von meiner Mama. Im Winter fällt da immer ganz viel Schnee und die Pferde laufen auf der Wiese rum.“

„Ich bin in Odessa geboren und da würde ich gerne wieder leben.“

„Meine große Schwester ist in Syrien und ich würde gerne wieder bei ihr leben.“

„Ich möchte einfach in Emmering leben, wenn ich mir etwas wünschen könnte. Außer vielleicht ein bisschen näher an meinen Freunden, damit wir uns schneller treffen können.“

Was ist für dich ein Held oder eine Heldin?

„Meine Mama ist eine Heldin, weil sie mich zur Welt gebracht hat.“

„Für mich ist mein Freund ein Held, weil er mir bei einem Streit geholfen hat.“

Was ist Frieden?

„Friedlich fühle ich mich, wenn ich in den Arm genommen werde.

„Für mich ist Streit, wenn man sich schlägt.“
„Ich gehe dann weg, wenn es Streit gibt.“
„Bei Streit fühle ich mich nicht glücklich und irgendwie schlecht.“

So einfach. So klar. So wahr. Vielleicht beginnt Frieden genau hier. Im Zuhören. Im Ernstnehmen. Und in den Gedanken von Kindern.

Dieses Wertebündnis Projekt wird gefördert von der Hans Lindner Stiftung und kofinanziert von der Europäischen Union.
Mehr Infos unter www.chancengleich.eu