Eine Geschichte über Frieden

Der Träumer

von Martin Auer

 

Es war einmal ein Mann, der war ein Träumer. Er dachte sich zum Beispiel: Es muss doch

möglich sein, zehntausend Kilometer weit zu sehen. Oder er dachte sich: Es muss doch

möglich sein, Suppe mit der Gabel zu essen. Er dachte: Es muss doch möglich sein, auf

dem eigenen Kopf zu stehen, und er dachte sich:

Es muss doch möglich sein, ohne Angst zu leben.

 

Die Leute sagten zu ihm: ,,Das alles geht doch nicht, du bist ein Träumer!“ Und sie sagten:

,,Du musst die Augen aufmachen und die Wirklichkeit akzeptieren!“ Und sie sagten: ,,Es

gibt eben Naturgesetze, die lassen sich nicht ändern!“

Aber der Mann sagte: ,,Ich weiß nicht… Es muss doch möglich sein, unter Wasser zu

atmen. Und es muss doch möglich sein, allen zu essen zu geben. Es muss doch möglich

sein, dass alle das lernen, was sie wissen wollen. Es muss doch möglich sein, in seinen

eigenen Magen zu gucken.“

Und die Leute sagten: ,,Reiß dich zusammen, Mensch, das wird es nie geben. Du kannst

nicht einfach sagen: Ich will und deswegen muss es geschehen. Die Welt ist, wie sie ist,

und damit basta!“

 

Als das Fernsehen erfunden wurde und die Röntgenstrahlen, da konnte der Mann

zehntausend Kilometer weit sehen und auch in seinen eigenen Magen. Aber niemand

sagte zu ihm: ,,Na gut, du hast ja doch nicht ganz Unrecht gehabt.“ Auch nicht, als das

Gerätetauchen erfunden wurde, so dass man problemlos unter Wasser atmen konnte.

Aber der Mann dachte sich: Na also. Vielleicht wird es sogar einmal möglich sein, ohne

Kriege auszukommen.

 

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