Wir im online-Café

Ok, wir wollten es wissen: kann man digital miteinander philosophieren? Also ohne den Raum, ohne den Sitzkreis, ohne Mitte, ohne Wuschel? Gestern haben wir uns ein Herz gefasst und öffentlich versucht, was in Webinaren schon ganz gut lief, und sind mit dem Philosophischen Café online gegangen. Einige von den Angemeldeten habe den Eingang nicht gefunden – bedauerlich! Wir müssen also an der Wegweisung noch arbeiten… Die Verbindung hat mancherorts nicht die gewünschte Ton-Bild-Qualität gebracht, aber alles in allem muss man sagen: Ja, es ging, Philosophieren konnte trotz „ich bleib daheim“ stattfinden!

Thema des Abends war passenderweise die Frage nach den Zutaten für ein „echtes Wir“: Wann ist ein Wir überhaupt ein Wir? Welche Qualitäten von „Wir“ können wir differenzieren? Was unterscheidet ein echtes von einem normalen Wir?

Was ist, wenn man einer Gemeinschaft zwangsläufig zugeordnet wird oder in einer Art Schicksalsgemeinschaft verbunden ist? Ist ein echtes Wir nur möglich, wenn ich die Wahl habe?

Kann man in das falsche Wir hinein geboren werden?

Ist eine Gemeinschaft nur über die Abgrenzung zu definieren? Sind alle zusammen auf dem einen Planeten ein Wir – und dann wiederum nur gegenüber extraplanetarischen Wesen o.Ä.?

Von welchem Standpunkt aus denken wir gemeinschaftlich: „in Abgrenzung zu“ oder „in gemeinsamer Verbindung mit“?

Und dann überhaupt: Wozu braucht es ein Wir? Was ist der Wert einer Gemeinschaft?

„Ein echtes Wir“ – von einem Gefühl wie Verbundenheit oder der Euphorie des Teilens hat die Runde den Weg über die verschiedenen Qualitäten von Verbundenheit genommen, hat die Perspektiven der Grenzziehung eingenommen, dann Begriffe von Verantwortungsbewusstsein und Zuständigkeit gestreift und ist schließlich noch zu der Idee eines „Wir als Prozess“, als etwas Wachsendes und sich Gestaltendes gekommen.

Was ist der Wert einer Gemeinschaft? Es gibt viele Ideen dazu. Jedenfalls aber braucht es für ein Wir mindestens ein anderes Wesen, notfalls hergezaubert auf den Bildschirm, notfalls flackernd und knisternd verzerrt, aber so oder so verbunden: Im suchenden Geist, im klopfenden Herzen und in der Dankbarkeit, dass wir die Möglichkeit der Begegnung haben, auch wenn wir uns nicht wirklich treffen können.

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